{"id":1518,"date":"2026-05-05T11:23:55","date_gmt":"2026-05-05T09:23:55","guid":{"rendered":"https:\/\/andijah.eu\/?p=1518"},"modified":"2026-05-05T11:23:55","modified_gmt":"2026-05-05T09:23:55","slug":"unueberhoerbar-oder-doch-mal-wieder-unsichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2026\/05\/05\/unueberhoerbar-oder-doch-mal-wieder-unsichtbar\/","title":{"rendered":"Un\u00fcberh\u00f6rbar oder doch mal wieder unsichtbar?"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute ist der 5. Mai. Da war doch was mit Europa, wird jetzt vielleicht der*die ein oder andere sagen. Und das stimmt auch. Am 5. Mai 1949 wurde der Europarat gegr\u00fcndet. Und seit den 1990ern (ich habe dazu unterschiedliche Jahre gefunden, deshalb kann ich es nicht genau sagen) ist der 5. Mai der <strong>Europ\u00e4ische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich heute die Lokalzeitung aus dem Briefkasten holte, sprang mir in gro\u00dfen Lettern der Hinweis entgegen, dass heute der Tag des Lokaljournalismus ist und dass sich bundesweit viele Zeitungen daran beteiligen, um auf die Wichtigkeit und die Leistungen des Lokaljournalismus aufmerksam zu machen. Ich finde das grunds\u00e4tzlich begr\u00fc\u00dfenswert, aber: muss dieser Tag ausgerechnet am 5. Mai stattfinden?<\/p>\n\n\n\n<p>Denn zumindest in unserer Lokalzeitung f\u00fchrte das dazu, dass Menschen mit Behinderung (mal wieder?) nur eine Randnotiz geschenkt wurde, und das auch noch mit der Meldung, dass sich viele von ihnen diskriminiert f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Un\u00fcberh\u00f6rbar<\/strong> ist der Titel eines Buchs, das ich seit ein paar Tagen lese. Die Autorin ist Katrin Aimee und der Untertitel ist &#8222;Geh\u00f6rlos, weiblich, unbequem &#8211; \u00fcber Ableismus, Wut und Widerstand&#8220;. Ich hatte dieses Buch \u00fcberhaupt nicht auf dem Schirm und da ich nicht bei Instagram bin, hatte ich auch von Katrin Aimee bisher nichts geh\u00f6rt. Aber manchmal hilft der Zufall mit. Bei der <a href=\"https:\/\/shop.autorenwelt.de\/\">Autorenwelt<\/a>, wo ich sehr gerne B\u00fccher kaufe, gibt es regelm\u00e4\u00dfig signierte B\u00fccher und ich st\u00f6bere ab und zu durch diese Liste und schaue, was es alles gibt. So kam ich dann auch auf &#8222;Un\u00fcberh\u00f6rbar&#8220;. Ich bestellte das Buch, es kam an, ich legte es erstmal auf den Stapel &#8222;f\u00fcr irgendwann&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann bl\u00e4tterte ich darin und begann, das Vorwort zu lesen. Und das erste Kapitel. Und das zweite. Und schnell war klar, dass ich es gleich lesen m\u00f6chte und nicht irgendwann. Ich bin zwar noch nicht ganz damit durch, aber es ist mir wichtig, gerade heute auf das Buch aufmerksam zu machen und es zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Katrin Aimee schreibt, der Titel &#8222;Un\u00fcberh\u00f6rbar&#8220; k\u00f6nne ableistisch bzw. audistisch ankommen und das sei ihr auch bewusst, doch sie h\u00e4tte sich daf\u00fcr entschieden, um die Ambivalenz und das Zwischen-allen-St\u00fchlen-sein als Frau mit Behinderung auszudr\u00fccken und ich finde das nachvollziehbar. Vor allem l\u00e4dt es dazu ein, einmal nachzudenken, wo und wie &#8222;leicht&#8220; uns ableistische Ausdr\u00fccke im Alltag \u00fcber die Lippen gehen. Zack, getippt und gedacht, hoppla, dieser Ausdruck kann audistisch verstanden werden! Ich m\u00f6chte ihn dennoch stehen lassen und in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass Geh\u00f6rlose viele Jahre lang darunter litten und auch heute noch leiden, dass sie f\u00fcr &#8222;stumm&#8220; gehalten werden, nur weil sie die Lautsprache nicht oder kaum sprechen. Ich kann als Musikerin auch nur als Ally dar\u00fcber schreiben und m\u00f6chte mir keinesfalls anma\u00dfen, das im Detail erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, aber es \u00e4rgert mich regelm\u00e4\u00dfig, dass regelm\u00e4\u00dfig so getan wird, als sei die Lautsprache die einzige M\u00f6glichkeit. Wusstet Ihr, dass die Geb\u00e4rdensprache an Geh\u00f6rlosenschulen lange Zeit sogar verboten war und dass sie in Deutschland erst seit 2002 als eigenst\u00e4ndige Sprache anerkannt ist? Amtssprache ist sie \u00fcbrigens noch nicht &#8211; ein weiterer Grund daf\u00fcr, warum der 5. Mai als Protesttag wichtig ist und bleibt und warum ich es wirklich schwierig finde, dass ausgerechnet dieses Datum f\u00fcr den Lokaljournalismus gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Hinweis zum Schluss: bitte achtet bei Videos immer auch auf Untertitel und bei Podcasts auf ein Transkript zum Nachlesen. Das hilft nicht nur Menschen, die schwerh\u00f6rig oder geh\u00f6rlos sind. Macht Bildbeschreibungen (Alternativtexte)! Die helfen auch nicht nur Menschen, die sehbehindert oder blind sind. Seid aufmerksam, wenn Menschen mit Behinderung dar\u00fcber sprechen, wie ihr Alltag aussieht, wo sie Probleme haben und wie ihr unterst\u00fctzen k\u00f6nnt. Ich bin auch noch auf dem Weg und mache sicher nicht alles richtig oder denke immer alle mit, doch es ist keine L\u00f6sung, gar nichts zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p>Danke f\u00fcrs Lesen des Beitrags!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der 5. Mai. 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