{"id":179,"date":"2013-04-25T11:41:41","date_gmt":"2013-04-25T10:41:41","guid":{"rendered":"http:\/\/andijah.wordpress.com\/?p=179"},"modified":"2013-04-25T11:41:41","modified_gmt":"2013-04-25T10:41:41","slug":"erinnerungen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2013\/04\/25\/erinnerungen-1\/","title":{"rendered":"Erinnerungen (1) und Auswanderei"},"content":{"rendered":"<p>Zwei von mir sehr gesch\u00e4tzte Menschen sind daran &#8222;schuld&#8220;, dass es ab heute eine neue Kategorie hier im Blog gibt. Die Kategorie hei\u00dft &#8222;Damals&#8220; und ich werde ab und zu Geschichten und Begebenheiten aus meiner Kindheit und Jugend erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Im Jahr meiner Geburt spielte Deutschland bei der Fu\u00dfball-WM im Finale gegen die Niederlande. Ich sa\u00df beim Endspiel auf dem Scho\u00df eines Kollegen meines Vaters. Sein Name war Antoon, und er stammte aus Zwolle in den Niederlanden. Meine Mutter erz\u00e4hlt gerne, sie habe irgendwann Angst um mich gehabt und habe mich gegen Ende des Spiels lieber wieder selbst festgehalten. Ihre Schilderungen dieser Szene sind so lebhaft, dass ich fast glaube, es sind meine eigenen Erinnerungen, die ich dazu in meinem Kopf habe.<br \/>\nIch habe Antoon einige Jahre sp\u00e4ter wiedergesehen, und ich erinnere mich, dass er ein sehr freundlicher Mann war, der mich sicher niemals h\u00e4tte fallen lassen, selbst wenn das Spiel 5:1 ausgegangen w\u00e4re. <\/p>\n<p>Wenn mich jemand fragt, wann ich geboren bin, erz\u00e4hle ich gerne die Geschichte davon, dass ich das Endspiel der 74er WM schon gesehen habe.<br \/>\nDarunter kann man sich auch im allgemeinen viel mehr vorstellen als wenn ich sagen w\u00fcrde, dass ich ein Jahr vor der Gr\u00fcndung der Industrial Vehicles Corporation (besser bekannt unter dem Namen Iveco) geboren wurde, oder in dem Jahr, in dem die Unimog-Baureihe 425 vorgestellt wurde. Wer mich ein bisserl kennt, wird sich \u00fcber den Hinweis auf diese Eckpunkte der LKW-Geschichte wohl nicht wundern. Ich glaube allerdings, dass meine Begeisterung f\u00fcr Nutzfahrzeuge wenig bis nichts mit den genannten Geschehnissen zu tun hat. Sonst m\u00fcssten ja alle Menschen meines Jahrgangs ein Faible daf\u00fcr haben. <\/p>\n<p>Ich bin am Stadtrand von M\u00fcnchen aufgewachsen, mit dem gro\u00dfen Gl\u00fcck, immer einen Garten zu haben, und auch einen Wald fast direkt am Haus. Ich hatte also irgendwie beides, die Freiheit des Drau\u00dfenseink\u00f6nnens, und das Gro\u00dfstadtflair.<br \/>\nEine Zeitlang war es irgendwie &#8222;in&#8220;, eine schreckliche Kindheit gehabt zu haben. Selbst mit viel Phantasie k\u00f6nnte ich das f\u00fcr meine Kindheit nicht sagen. Ja, manchmal f\u00fchle ich mich ein wenig entwurzelt, weil wir bis zu meinem 14. Geburtstag f\u00fcnf Mal umgezogen sind, und ich jedes Mal Vertrautes zur\u00fccklassen musste, aber andererseits habe ich gelernt, mich an neuen Orten schnell zurechtzufinden und habe, wenn auch keinen Einzelort als Heimat, viele Flecken, an denen ich mich zuhause f\u00fchle. Und: ich spreche neben Hochdeutsch vier Dialekte, wenn auch nicht mehr alle perfekt, wie meine beste Freundin aus oberpf\u00e4lzer Zeiten nicht m\u00fcde wird zu betonen.<br \/>\nEine leichte Ruhelosigkeit habe ich bis vor gut zehn Jahren auch behalten. Ich habe in Bremen studiert, war dann in London, immer unterwegs, und mit Sesshaftigkeit konnte ich lange nichts anfangen. Das hat sich aber ge\u00e4ndert. Seit zwei Jahren bin ich stolze Hausbesitzerin, und habe mein Zuhause gefunden. Ich reise nach wie vor gerne, ich mag es, Neues auszuprobieren und kennen zu lernen, aber ich muss nicht mehr alle paar Jahre umziehen, um mich wohlzuf\u00fchlen. <\/p>\n<p>Oft werde ich gefragt, warum ich denn nicht auswandern w\u00fcrde. Zum einen, weil ich in England ein bisserl Heimat habe und Englisch wie Deutsch spreche, zum anderen, weil es mir in Island und Schweden gut gef\u00e4llt und ich immer wieder dort hinfahre. Viele Menschen, mit denen ich \u00fcbers Auswandern spreche, suchen anderswo das Gl\u00fcck, das sie meinen, hier nicht finden zu k\u00f6nnen. Es gibt sicher Probleme, die man in Deutschland hat, die es anderswo so nicht gibt. Daf\u00fcr gibt es aber andere Probleme und Herausforderungen. Und das, was man selbst in sich tr\u00e4gt, nimmt man immer mit, egal, wohin man geht. Insofern h\u00e4ngt mein pers\u00f6nliches Gl\u00fcck nicht nur davon ab, wo ich wohne, und welche Sprache um mich herum gesprochen wird, sondern davon, wie es mir geht und wie ich mit meiner Umwelt klarkomme. Ich muss nicht auswandern, um gl\u00fccklich und zufrieden zu sein. Ich kann mich auch einfach in meinen oberhessischen Garten setzen, einen selbstgemachten Apfelwein trinken und dabei ein englisches, schwedisches oder isl\u00e4ndisches Buch lesen.<\/p>\n<p>Apropos Garten, der wird sich in n\u00e4chster Zeit wieder einmal verwandeln, denn wir bekommen endlich wieder eine gro\u00dfe Scheune, die fr\u00fcher zum Anwesen geh\u00f6rte, aber irgendwann abgerissen worden war. Jetzt bauen wir neu, und dar\u00fcber werde ich hier sicher auch berichten. Alles jedoch zu seiner Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei von mir sehr gesch\u00e4tzte Menschen sind daran &#8222;schuld&#8220;, dass es ab heute eine neue Kategorie hier im Blog gibt. 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