{"id":260,"date":"2014-05-04T15:15:08","date_gmt":"2014-05-04T14:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/andijah.wordpress.com\/?p=260"},"modified":"2014-05-04T15:15:08","modified_gmt":"2014-05-04T14:15:08","slug":"gesundoderkrank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2014\/05\/04\/gesundoderkrank\/","title":{"rendered":"Gesund oder krank?"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, die wirft so leicht nichts aus der Bahn. Sie sind mit einer schier unersch\u00f6pflichen Energie gesegnet und belastbar wie ein alter Eichenbalken.<br \/>\nEin Teil von mir ist so. Ich habe ein breites Kreuz, ich bin voller Tatendrang, ich habe immer irgendwelche Ideen und st\u00e4ndig etwas zu tun. <\/p>\n<p>Aber es gibt auch noch einen anderen Teil, einen, der sich nur ganz selten mal zu Wort meldet, den Teil von mir n\u00e4mlich, dem das alles zu viel ist und der dann irgendwann die Notbremse zieht. <\/p>\n<p>Heute kann ich sagen, ja, mir geht es gut, ich bin wieder fit, es zwickt nicht mehr in mir drin, weder in der Seele noch im K\u00f6rper, aber es hat doch eine Weile gedauert.<br \/>\nUnd heute, da es mir wieder gut geht, m\u00f6chte ich von einer Begebenheit berichten, die mich zwischendurch ziemlich runtergezogen hat.<\/p>\n<p>Da war ich nun, seit Wochen zuhause, den t\u00e4glichen Kampf mit mir und den Beschwerden k\u00e4mpfend, mit guten und ziemlich schlechten Tagen, aber gl\u00fccklicherweise mit einem sehr guten Arzt und, fast noch wichtiger, mit enormem R\u00fcckhalt durch meinen Mann. Trotz aller Anstrengungen und meiner Ungeduld mit mir selbst \u00fcberwogen die schlechten Tage, so dass ich lange nicht arbeiten gehen konnte, somit aus der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber fiel und die Krankenkasse auf den Plan trat.<\/p>\n<p>Das geschah auf eine Weise, die mich sprachlos machte.<\/p>\n<p>Ich sa\u00df eines Nachmittags (in der 7. Krankheitswoche) auf dem Sofa, da klingelt das Telefon und eine Sachbearbeiterin meiner Krankenkasse meldet sich. Ich sei ja nun schon eine Weile krank, was denn da los w\u00e4re. Der medizinische Dienst (bei dem ich in der 3. Krankheitswoche war, da mein Arbeitgeber bei der Krankenkasse Zweifel bez\u00fcglich meiner Arbeitsunf\u00e4higkeit angemeldet hatte) habe mich doch untersucht und festgestellt, dass ich zu Zeitpunkt X wieder arbeitsf\u00e4hig sein w\u00fcrde. Ich sagte, dass ich auch gerne schneller wieder auf die Beine kommen w\u00fcrde, dass es aber noch nicht so weit sei und dass das bei der Untersuchung durch den medizinischen Dienst auch klar war, dass eine Prognose schwierig w\u00e4re.<br \/>\nDie Sachbearbeiterin warf mir dann mehr oder weniger Simulantentum vor, deutete an, mein Hausarzt habe ja wohl keine Ahnung, ich solle dringend zu einem Spezialisten, wobei mir ja hoffentlich klar sei, dass es lange Wartezeiten g\u00e4be, und warum ich nicht schon l\u00e4ngst bei einem Spezialisten gewesen sei und dass es ja au\u00dferdem nicht anginge, dass ich immer noch zuhause sei. Dann drohte sie mir noch mit Einschr\u00e4nkung des Krankengeldes, und erst, als ich am Telefon eine Panikattacke hatte und in Tr\u00e4nen ausgebrochen war, gab sie sich vers\u00f6hnlich und meinte, sie mache doch nur ihre Arbeit, wolle nur helfen und w\u00fcrde mir die Formulare jetzt zuschicken.<\/p>\n<p>Liebe Krankenkasse, ich wei\u00df wohl, dass eine lange Arbeitsunf\u00e4higkeit f\u00fcr niemanden sch\u00f6n ist, auch nicht f\u00fcr Dich, denn Du musst dann Geld bezahlen. Ich wei\u00df auch, dass es Menschen gibt, die das System ausnutzen. Und ich habe bis zu einem gewissen Grad Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass Du wissen m\u00f6chtest, wer unter Deinen Versicherten das System ausnutzt. Aber dass Du Deine Versicherten heftiger bedr\u00e4ngst als der typische Zeitschriftenaboverk\u00e4ufer, und das gerade dann, wenn jemand mit psychischen Problemen k\u00e4mpft, das kann doch nicht zielf\u00fchrend sein.<br \/>\nSpart es denn Krankengeld, wenn ich nach einem solchen Anruf erst einmal Stunden brauche, um wieder einigerma\u00dfen klar denken zu k\u00f6nnen? Wenn ich auf meinem Genesungsweg um Tage, wenn nicht Wochen zur\u00fcckgeworfen werde, weil ich mich f\u00fchle wie der letzte Depp, der wohl nichts besseres zu tun hatte, als absichtlich krank zu werden?<\/p>\n<p>Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Vorgehen hilfreich ist. Schon gar nicht, wenn solche Anrufe auch bei Leuten gemacht werden, denen es in dem Moment richtig dreckig geht. Ich hatte Gl\u00fcck, ich war zum Zeitpunkt des Anrufs gerade ziemlich stabil und mein Mann war zuhause und konnte mich direkt auffangen, aber was ist mit Menschen, bei denen das nicht der Fall ist?<\/p>\n<p>Ich bin heilfroh, dass es mir wieder gut geht. So etwas m\u00f6chte ich nicht noch einmal erleben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ach ja, meine Sachbearbeiterin und ich sind inzwischen sehr h\u00f6flich miteinander, nachdem ich ihr bei ihrem zweiten Anruf deutlich gesagt hatte, dass ich keine Lust auf solche Spielchen h\u00e4tte. Aber es h\u00e4tte einfach nicht sein m\u00fcssen.  Und der Spezialist, bei dem ich in Behandlung war, sagte nur, diese Kasse kenne er, die w\u00fcrden die Versicherten eher kr\u00e4nker denn ges\u00fcnder machen.<br \/>\nIch w\u00fcnsche mir und allen, denen es ab und zu schlecht geht, dass das nicht zur Regel wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, die wirft so leicht nichts aus der Bahn. 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