{"id":374,"date":"2016-03-23T09:47:31","date_gmt":"2016-03-23T08:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/andijah.wordpress.com\/?p=374"},"modified":"2016-03-23T09:47:31","modified_gmt":"2016-03-23T08:47:31","slug":"ein-besonderer-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2016\/03\/23\/ein-besonderer-tag\/","title":{"rendered":"Ein besonderer Tag"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ein besonderer Tag, und eigentlich hatte ich auch gestern einen Beitrag schreiben wollen.<br \/>\nDoch dann kamen die ersten Meldungen aus Br\u00fcssel rein, und irgendwie war mir dann nicht mehr danach, hier etwas Pers\u00f6nliches zu sagen.<\/p>\n<p>So schreibe ich eben heute.<\/p>\n<p>Gestern war der Geburts- und Todestag meiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits. Ja, meine Oma ist tats\u00e4chlich an ihrem Geburtstag verstorben. 78 Jahre alt wurde sie. Sie stammte aus dem n\u00f6rdlichen Frankenwald und lebte dort 72 Jahre lang. Dann zog sie zu uns in die Stadt, weil sie nicht Auto fuhr und auf dem Dorf nicht mehr so recht alleine sein konnte.<\/p>\n<p>Ich habe meine Oma sehr gern gehabt, und irgendwie wurde mir das erst so richtig bewusst, nachdem sie weg war. Wie gerne h\u00e4tte ich noch von ihr gelernt, wie man bei Socken eine ordentliche Ferse strickt, oder was das Geheimnis ihres leckeren Milchreisapfelauflaufs war, mit dem sie uns immer mal verw\u00f6hnt hat. <\/p>\n<p>So bleiben mir Erinnerungen. Erinnerung an eine Frau, die ein unheimlich gro\u00dfes Herz hatte und gleichzeitig manchmal so verbohrt war, dass ich mit ihr \u00fcberhaupt nicht zurecht kam.<br \/>\nEine Frau, die jahrelang Pakete zur Verwandtschaft nach Th\u00fcringen schickte und die jeden erdenklichen DDR-Witz kannte und auch erz\u00e4hlte.<br \/>\nEine Frau, die als einzige in der Familie standhaft von Rotkraut sprach, w\u00e4hrend wir anderen Blaukraut sagten, und die, wenn sie sich \u00e4rgerte, eine Diskussion auch schon mal mit den Worten &#8222;Entschuldigen Sie, dass ich geboren bin&#8220; beendete und in ihrem Zimmer verschwand.<br \/>\nEine Frau, von der ich Spr\u00fcche gelernt habe wie &#8222;Mit dem Urteil nicht eile, h\u00f6re zun\u00e4chst beide Teile&#8220; oder &#8222;Bei dem haben sie ja wohl auch das Gute weggeworfen und die Nachgeburt aufgezogen!&#8220;.<br \/>\nJa, meine Oma nahm kein Blatt vor den Mund und lie\u00df es sich auch nicht nehmen, dem Pfarrer zu sagen, er m\u00fcsse mal wieder zum Friseur, er s\u00e4he ja aus wie ein Apostel.<\/p>\n<p>An sich selbst hat sie irgendwie nie besonders gedacht. Im Haus meiner Eltern hatte sie das Zimmer mit dem Balkon bekommen, und einen sch\u00f6nen Stuhl zum Drau\u00dfensitzen. Drau\u00dfen sitzen kam aber nicht in Frage. Die Leute k\u00f6nnten dann ja sehen, dass sie gerade nichts tut. Den neuen Mantel lie\u00df sie lieber im Schrank, um ihn zu schonen, und anstatt sich selbst etwas zu kaufen, wanderte vieles von ihrem Ersparten zu ihren Enkeln. Ob sie gl\u00fccklich war? Oder wenigstens zufrieden? Ich bin ehrlich, ich wei\u00df es nicht. Ich habe sie nie gefragt, denn obwohl wir ein gutes Verh\u00e4ltnis hatten, war das nichts, wor\u00fcber wir miteinander gesprochen h\u00e4tten. Aber wenn ich, nicht nur an ihrem Geburtstag, an sie denke, wird mir warm ums Herz, und das ist einfach sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Der gestrige Tag hatte noch eine weitere Besonderheit.<br \/>\nIch habe nach zehn Jahren im Vorstand eines gemeinn\u00fctzigen Vereins mein Amt niedergelegt und werde den Verein verlassen. Das ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfer Schritt, der einerseits notwendig wurde, der mir andererseits aber auch sehr schwer fiel und ein bisschen weh tut. Dass ich unterj\u00e4hrig, nicht zum Ende einer Wahlperiode, diesen Schritt gehen w\u00fcrde, h\u00e4tte ich mir nicht tr\u00e4umen lassen. Dass es auch in Vereinen, die sich damit besch\u00e4ftigen, anderen Menschen Gutes zu tun, nicht nur &#8222;gute&#8220; Menschen gibt, und dass es auch in diesem Umfeld so etwas wie Mobbing gibt, das ist mir nicht neu und ich habe auch immer dagegen gek\u00e4mpft. Bis ich selbst zur Zielscheibe wurde, und nicht nur ich, sondern zwei weiter Vorstandsmitglieder. Der \u00fcbergeordnete Verband sah keine Notwendigkeit, uns zu unterst\u00fctzen, und so wurde die Arbeit immer aufreibender und das brauche ich in einem Ehrenamt nun wirklich nicht.<br \/>\nF\u00fcr mich wird es neue Aufgaben geben, neue Herausforderungen, denn jeden Tag ruhig zuhause sitzen kann ich nun mal nicht gut.<br \/>\nAber jetzt ist erst einmal eine \u00c4ra zu Ende und ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, mich daran zu gew\u00f6hnen und mit dem, was schiefgelaufen ist, meinen Frieden zu machen.<\/p>\n<p>Morgen beginnt meine j\u00e4hrliche social-media-freie Zeit. Wir lesen uns dann nach Ostern wieder!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ein besonderer Tag, und eigentlich hatte ich auch gestern einen Beitrag schreiben wollen. Doch dann kamen die ersten Meldungen aus Br\u00fcssel rein, und irgendwie war mir dann nicht mehr danach, hier etwas Pers\u00f6nliches zu sagen. 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