{"id":515,"date":"2019-06-20T12:04:08","date_gmt":"2019-06-20T10:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/andijah.wordpress.com\/?p=515"},"modified":"2019-06-20T12:04:08","modified_gmt":"2019-06-20T10:04:08","slug":"mit-dem-hausboot-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2019\/06\/20\/mit-dem-hausboot-unterwegs\/","title":{"rendered":"Mit dem Hausboot unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin immer noch ganz begeistert von unserem Urlaub auf dem Rhein-Marne-Kanal mit einem Hausboot &#8211; wir waren das erste Mal zu viert unterwegs, mein Mann, meine Schwiegermutter, meine Schw\u00e4gerin und ich. Das ist insofern auch etwas Besonderes, weil das Verh\u00e4ltnis zu den beiden Damen \u00fcber viele Jahre ausgesprochen schwierig war und sich erst in der letzten Zeit normalisiert hat. Aber es hat wunderbar funktioniert, es gab keine gro\u00dfen Reibereien, und \u00fcber kleine Nickeligkeiten kann man leicht hinwegsehen.<\/p>\n<p>Schon in der Vorbereitung habe ich gemerkt, wie unterschiedlich doch unsere Herangehensweisen an die Sache sind. W\u00e4hrend ich mir auf dem Flussreisef\u00fchrer zwar eine grobe Route \u00fcberlegt hatte, ansonsten aber alles auf mich zukommen lassen wollte, machte sich meine Schw\u00e4gerin Gedanken um Strom f\u00fcr den F\u00f6n und darum, welche und wie viele Klamotten wohl mitzunehmen seien. Meine Schwiegermutter dachte ans Einkaufen und mein Mann bat mich, doch einen detaillierten Plan zu machen, um den beiden die Sorge zu nehmen, sie w\u00fcssten nicht, was auf sie zukommt.<\/p>\n<p>Das machte ich dann auch und gleich der erste Punkt auf dem Plan funktionierte nicht, da das ausgesuchte Restaurant f\u00fcrs Mittagessen auf der Hinfahrt nicht mehr existierte \ud83d\ude09 Aber das war gar nicht schlimm, denn keine 500m weiter fand sich ein ge\u00f6ffnetes Lokal, wo wir f\u00fcrstlich speisten und alle zufrieden waren: Aux Berges de la moder, 8 rue de la gare, 67590 Schweighouse-sur-Moder (absichtlich ohne Link zur FB-Seite des Restaurants. Kann bei Interesse ja \u00fcber Suchmaschinen gefunden werden.)<\/p>\n<p>Ab 16 Uhr sei unser Boot abholbereit, hie\u00df es vom Vermieter. Wir kamen p\u00fcnktlich an und konnten dann auch erst einmal entspannen, da vier Boote zu \u00fcbergeben waren und einer der Mitarbeiter zwischen T\u00fcr und Angel rief, er k\u00e4me noch, aber sei alleine und es w\u00fcrde dauern. Wir waren ja im Urlaub und nicht auf der Flucht und lie\u00dfen ihn das auch wissen &#8211; was witzigerweise dazu f\u00fchrte, dass er uns doch schon unser Boot, die &#8222;Rose&#8220;, zeigte und sagte, wir sollten das Gep\u00e4ck schon einmal an Bord bringen, die Einweisung w\u00fcrde er dann sp\u00e4ter machen. Wir teilten uns dann auf; die Schw\u00e4gerin und ich fuhren einkaufen und die anderen beiden machten das Boot klar. Als wir vom Einkaufen zur\u00fcckkamen, kam das Boot gerade von der Einweisungsfahrt zur\u00fcck, mit einem anderen Mitarbeiter, der uns sagte, wir h\u00e4tten mit meinem Mann einen tollen Skipper und er sei sehr zuversichtlich.<\/p>\n<p>Da es mittlerweile schon Abend war, beschlossen wir, im Hafen zu bleiben und erst am n\u00e4chsten Morgen zu starten. Das taten wir dann auch und waren gegen halb zehn die ersten, die den Hafen verlie\u00dfen. Wir fuhren ein kurzes St\u00fcck, um den Rhein-Marne-Kanal zu erreichen und bogen dann in Richtung Nancy ab.<\/p>\n<p>Die erste Schleuse auf unserer Strecke ist gleichzeitig die spektakul\u00e4rste: R\u00e9chicourt, fast 16m werden durch eine einzige Schleuse \u00fcberwunden. Fr\u00fcher gab es eine Schleusentreppe mit sechs Schleusen, heute eben nur die eine. Es herrscht Rettungswestenpflicht in der Schleuse. Nach einer Wartezeit ging es dann los. Drei Boote passten gleichzeitig in die Schleusenkammer. Bei der Einfahrt gab es ein paar kurze Tipps f\u00fcr die Leinen vom Schleusenw\u00e4rter und dazu eine Fernbedienung f\u00fcr alle weiteren Schleusen in Richtung Nancy. Und dann ging es schon nach unten. Abw\u00e4rts zu schleusen ist im Grunde unkompliziert, auch wenn es 16m nach unten geht.<\/p>\n<p>Die Sache mit der Fernbedienung ist ebenfalls kein Hexenwerk. Vor den Schleusen gibt es ein Schild, bei dessen Erreichen (oder f\u00fcr Ungeduldige auch vorher) man auf den (einzigen) Knopf der Fernbedienung dr\u00fcckt, was mit einem blinkenden orangenen Licht quittiert wird. N\u00e4hert man sich dann der Schleuse, zeigt ein gelbes Blinklicht an, dass die Schleuse vorbereitet wird. Dann muss man nur noch auf die \u00fcblichen roten und gr\u00fcnen Lichtzeichen der Schleuse achten und bei ge\u00f6ffnetem Tor einfahren. Leinen festmachen, Schleuse durch manuelle Bet\u00e4tigung einer Stange in Gang setzen, und los geht&#8217;s. Schon nach wenigen Schleusen waren wir ein eingespieltes Team: ich vorne an den Leinen, meine Schwiegermutter hinten, mein Mann am Steuerstand und meine Schw\u00e4gerin als Schleusenbet\u00e4tigerin und Leinenhelferin.<\/p>\n<p>Unser erster Stopp zur kleinen Mittagspause konnte auch nicht wie geplant stattfinden &#8211; wenn an einem Anleger normalerweise locker Platz f\u00fcr mindestens zwei Boote ist, ein Boot aber so festgemacht ist, dass weder vorne noch hinten noch Platz ist, dann haut das halt nicht hin. Schade, wenn Menschen beim Festmachen so wenig mitdenken, aber so ist das halt. Wir fanden ein St\u00fcck weiter einen sch\u00f6nen Platz in der N\u00e4he einer Schleuse. Dort gab es sogar einen Picknicktisch, der aber bereits belegt war. So genossen wir unser Mittagessen auf Deck.<\/p>\n<p>Vom Wetter her hatten wir riesiges Gl\u00fcck &#8211; es hat in der ganzen Woche nur zweimal geregnet, und ansonsten war es entweder bew\u00f6lkt und trocken oder sonnig und trocken.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Nacht verbrachten wir im Hafen von Lagarde. Da sich dort die Basis eines weiteren Bootsverleihers befindet, sollte man genau schauen, welche Liegepl\u00e4tze als Gastpl\u00e4tze gekennzeichnet sind. Es gibt an sich genug Platz, aber auch hier gab es wieder einige, die beim Festmachen nur an sich selbst und nicht an nachfolgende Boote gedacht hatten.<\/p>\n<p>Weiter ging es bis Sommerviller. Das ist ein kleiner Anleger ohne Elektrizit\u00e4t und Wasser &#8211; daf\u00fcr aber mit einer fu\u00dfl\u00e4ufig erreichbaren B\u00e4ckerei, die ganz wunderbare T\u00f6rtchen macht. Und die Baguettes sind eh \u00fcberall in Frankreich lecker. (Boulangerie Sanchez, 1 Rue de Lorraine, 54110 Sommerviller)<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag erreichten wir Nancy. Obwohl wir bereits am fr\u00fchen Nachmittag eintrafen, gab es im Hafen nur noch einen Liegeplatz. Sp\u00e4ter sortierte der Hafenmeister dann noch ein paar Boote um und schaffte so drei weitere Pl\u00e4tze, aber eng war es doch. Wir gingen abends essen &#8211; mal nicht franz\u00f6sisch, sondern Burger, aber auch die waren teilweise franz\u00f6sisch angehaucht und sehr, sehr gut. (Voyou Burger, 20 rue Stanislas, 54000 Nancy). Im Hafen gab es Strom und Frischwasser.<\/p>\n<p>Schon war die H\u00e4lfte der Woche vorbei und wir fuhren zur\u00fcck in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Beim Aufw\u00e4rtsschleusen setzt man vor der Schleuse ein Besatzungsmitglied ab, das in der Schleusenkammer die Leinen entgegennehmen kann und dann auch wieder die Schleuse bet\u00e4tigt. Auch hier war die Rollenverteilung wieder klar und wir arbeiteten als Team perfekt zusammen.<\/p>\n<p>Dann kamen wir zu einer Schleuse, die noch nicht frei war, und machten am Ufer fest, um zu warten. Wenn die Schleusenkammer gerade gef\u00fcllt ist, muss das Wasser ja wieder raus, wenn man bergauf schleusen m\u00f6chte. Oft kommt es da zu gr\u00f6\u00dferen Verwirbelungen. Entweder wartet man also in geb\u00fchrendem Abstand vor der Schleuse, oder man macht das Boot halt kurz fest. Vor uns lag ein weiteres Hausboot &#8211; die Benutzer nahmen das Thema insgesamt aber ziemlich locker, und das Boot trieb entsprechend ab, weil es nicht ordentlich festgemacht war. Da wurde dann auch nicht mal die Kaffeetasse beiseite gestellt, sondern nur nach einem weiteren Besatzungsmitglied gerufen, das aber gerade anderweitig besch\u00e4ftigt war. Nun ja. Dass man ohne Bootsf\u00fchrerschein Hausboot fahren darf, hei\u00dft ja eigentlich nicht, dass man gar nicht mitdenken muss.<br \/>\nJedenfalls fuhren wir gemeinsam in die Schleusenkammer und die andere Besatzung beklagte sich, dass wir uns einen der Poller zum Festmachen teilten. Dass das kein Problem ist, wollten sie nicht so recht glauben und machten in der n\u00e4chsten Schleuse ganz vorne fest, um ihre eigenen Poller zu haben.<br \/>\nNun gibt es beim Bergaufschleusen ja auch in der Schleusenkammer entsprechende Verwirbelungen im Wasser. Deshalb ist es hilfreich, wenn man seine Leinen ordentlich f\u00fchrt und wenn einer am Ruder bleibt. Die andere Bootsbesatzung sah das irgendwie anders, lie\u00df sowohl die Leinen alleine als auch den Steuerstand. Es kam, wie es kommen musste. Das Boot wurde nach vorne gezogen und bekam Kontakt mit dem Schleusentor. Und aufgrund seiner Bauweise blieb es dann an einem der Querriegel des Schleusentors h\u00e4ngen. Sprich, der Bug wurde nach unten gezogen und das Heck kam aus dem Wasser. Meine Schw\u00e4gerin, die ja drau\u00dfen stand, sprang noch hin, um das Boot an der hinteren Leine festzuhalten. Ein Teil der Besatzung, der sich eben noch gesonnt hatte, begab sich zum Steuerstand, aber die versuchte R\u00fcckw\u00e4rtsfahrt scheiterte daran, dass die Schraube bereits aus dem Wasser war.<br \/>\nEs blieb uns also nur, den Notausschalter zu bet\u00e4tigen und dann auf den zust\u00e4ndigen Schleusenmenschen zu warten. Der kam, begutachtete sein Schleusentor (das nichts abbekommen hat) und belehrte die Bootsbesatzung &#8211; da diese jedoch kein Franz\u00f6sisch sprach, lief ein Teil seines Vortrags wohl ins Leere.<br \/>\nDer Schleusvorgang wurde dann manuell durch den Mitarbeiter beendet und es ging weiter.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter trafen wir den Mitarbeiter dann noch einmal, weil eine andere Schleuse Probleme machte, und er lobte unsere Teamarbeit und meinte, wie wir das machten, s\u00e4he sehr gut aus. Dass wir mit ihm franz\u00f6sisch schw\u00e4tzen konnten, erleichterte die ganze Sache nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n<p>F\u00fcr die n\u00e4chste \u00dcbernachtung machten wir in Einville-au-Jard fest und kauften im \u00f6rtlichen Gemischtwarenladen ein wenig ein. Es gibt in Einville fast direkt am Hafen auch ein Restaurant, das wir aber nicht besuchten, weil wir meist selbst kochten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging es weiter bis Port Ste Marie, wo wir das Boot mal wieder an die Steckdose h\u00e4ngten und auch Frischwasser auff\u00fcllten.<\/p>\n<p>Dann brach auch schon der vorletzte Tag der Bootswoche an und wir nahmen die gro\u00dfe Schleuse von R\u00e9chicourt wieder nach oben, gaben unsere Fernbedienung ab und fuhren ohne weitere Schleusvorg\u00e4nge noch ein St\u00fcck Richtung Strasbourg bis Hesse, wo wir eine kleine Pause machten und von dort aus dann zur\u00fcck zu unserer Basis fuhren.<\/p>\n<p>Dort verbrachten wir den letzten Abend an Bord und genossen das leichte Pl\u00e4tschern des Wassers, das uns beim Einschlafen begleitete.<\/p>\n<p>Fazit dieser Woche: ich langweilte mich keine Minute und war trotzdem tiefenentspannt. Mein Strickzeug h\u00e4tte ich zuhause lassen k\u00f6nnen, da ich tags\u00fcber mit Gucken und Leinenf\u00fchren besch\u00e4ftigt war und es sich abends auch nicht wirklich ergab. Was man unbedingt haben sollte, ist M\u00fcckenspray und Sonnenschutz (hatten wir beides) und ordentliche Handschuhe (hatten wir auch), um gefahrlos mit den Leinen arbeiten zu k\u00f6nnen. Ein wenig Gef\u00fchl f\u00fcr so ein Boot zu entwickeln schadet ebenfalls nicht. Ich habe jetzt aber Lust, endlich mal den Bootsf\u00fchrerschein zu machen. Mal sehen, ob und wann ich dazu komme.<\/p>\n<p>Es war jedenfalls ein ganz wunderbarer Urlaub und ist zur Nachahmung und Wiederholung empfohlen \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin immer noch ganz begeistert von unserem Urlaub auf dem Rhein-Marne-Kanal mit einem Hausboot &#8211; wir waren das erste Mal zu viert unterwegs, mein Mann, meine Schwiegermutter, meine Schw\u00e4gerin und ich. 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