{"id":517,"date":"2019-09-03T09:26:54","date_gmt":"2019-09-03T07:26:54","guid":{"rendered":"https:\/\/andijah.wordpress.com\/?p=517"},"modified":"2019-09-03T09:26:54","modified_gmt":"2019-09-03T07:26:54","slug":"man-darf-ja-nix-mehr-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andijah.eu\/index.php\/2019\/09\/03\/man-darf-ja-nix-mehr-sagen\/","title":{"rendered":"&#8222;Man darf ja nix mehr sagen&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Es kommt selten vor, dass ich auf diesem Blog etwas zum politischen Tagesgeschehen schreibe. Auch meinen Twitteraccount nutze ich kaum f\u00fcr entsprechende Statements. Es ist nicht so, dass ich nichts zu sagen h\u00e4tte, aber das tue ich lieber im direkten Gespr\u00e4ch. Und ich scheue dabei auch keine Konfrontation und bin sehr froh, dass ich in meinem Freundeskreis Menschen habe, deren politische Richtung zwar teilweise anders ist als meine, die einen offenen Gedankenaustausch aber ebenso sch\u00e4tzen wie ich. Ich habe da schon viel gelernt (danke an dieser Stelle vor allem an Peter und Jens).<\/p>\n<p>Was mich im Zusammenhang mit den Wahlen am vergangenen Sonntag sehr bewegt hat, war nicht unbedingt das Abschneiden einer gewissen Partei, deren Umtriebe ich sehr kritisch betrachte. Irgendjemand sp\u00fclte eine Grafik aus der Tagesschau in meine Twittertimeline, aus der hervorging, dass mehr als zwei Drittel der befragten W\u00e4hler in einem Bundesland der Meinung waren, man d\u00fcrfe ja &#8222;nichts mehr sagen&#8220; und sei insgesamt in seiner Meinungsfreiheit beschnitten.<\/p>\n<p>Wie kommt es zu dieser Wahrnehmung? Welche Erwartungshaltung haben diese Menschen? Bedeutet Meinungsfreiheit f\u00fcr sie, dass man keinen Widerspruch zu seinen Aussagen bekommt? Dass alle die eigene Meinung teilen? Dass auf lautes Schreien und Parolen rufen immer tosender Applaus kommt?<\/p>\n<p>Mir fehlt daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung. Ja, ich wei\u00df, dass ich in einer priviligierten Situation bin. Ich schreibe hier auf einem funktionierenden Rechner, zuhause am Schreibtisch sitzend. Ich muss keine Angst haben, dass jeden Moment irgendwo eine Rakete einschl\u00e4gt oder eine Bombe explodiert. Es gibt zuverl\u00e4ssig Strom und flie\u00dfendes Wasser und ich besitze nicht nur ein Sparschwein, sondern es ist sogar etwas drin.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Menschen gerne verstehen. Aber manchmal f\u00e4llt mir das wirklich schwer.<\/p>\n<p>Wir brauchen in unserer Gesellschaft den Widerspruch. Wir brauchen Menschen, die etwas sagen und nicht wegschauen, wenn jemand seine Vorurteile pflegt. Ich freue mich, dass so mancher tiefsitzender Alltagsrassismus und Alltagssexismus nicht mehr hingenommen wird, sondern angesprochen wird und durchaus auch deutlich verurteilt. Das ist f\u00fcr diejenigen, die &#8222;eigentlich ja nix gegen Ausl\u00e4nder haben&#8220; oder &#8222;die Gleichberechtigung total toll finden und niemals Frauen benachteiligen w\u00fcrden&#8220; und es in ihrem Verhalten und Sprachgebrauch dennoch tun, sicher unangenehm.<\/p>\n<p>Unsinn reden ist nach wie vor nicht verboten.<\/p>\n<p>Und ich werde, so lange mir das m\u00f6glich ist, dem Unsinn die Stirn bieten. Vielleicht k\u00fcnftig ja auch \u00f6fter mal online und nicht nur in meinem Alltag. Aber da nat\u00fcrlich auch &#8211; wenn es n\u00f6tig ist, mal unbequem zu sein, um f\u00fcr die W\u00fcrde anderer einzustehen, dann bin ich gerne unbequem.<\/p>\n<p>&#8222;Man darf ja nix mehr sagen&#8220;, sagen manche und sehen nicht, dass sie allein dadurch, dass sie das sagen k\u00f6nnen, eine bemerkenswerte Freiheit genie\u00dfen. Dass ihnen das irgendwann klar wird, das w\u00fcnsche ich mir. Und dass diese Freiheit nicht missbraucht wird, w\u00fcnsche ich mir noch mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt selten vor, dass ich auf diesem Blog etwas zum politischen Tagesgeschehen schreibe. Auch meinen Twitteraccount nutze ich kaum f\u00fcr entsprechende Statements. 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