Ich bin ja öfter mal „late to the party“, aber warum ich erst dieses Jahr die Kirchenkrimis von Christian Uecker (1956-2007) entdeckt habe, obwohl das erste Buch schon 1993 erschienen ist, ist mir schleierhaft.
Christian Uecker war Pastor in der Nähe von Lübeck und schrieb seinen ersten Krimi, weil Geld für die Orgelrenovierung gebraucht wurde. Es kam wohl ausreichend Geld zusammen, aber gleichzeitig war auch die Lust am Schreiben geweckt und so kamen bis 2007 weitere sechs Bücher hinzu.
Es ist nicht unbedingt notwendig, sie in der zeitlichen Reihenfolge zu lesen, aber es ist schön, die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen bzw. sie in einem der Folgebände wieder zu treffen.
Beim Lesen dachte ich ab und zu, dass meine Mutter, Kirchenvorstandsmitglied und Urlaubsvertretung der Küsterin/Mesnerin und begeisterte Im-Norden-Deutschlands-Urlauberin, die Bücher auch gemocht hätte – und hätte sie die Bücher gekannt, hätte sie mir bestimmt davon erzählt und sie mir zum Lesen weitergegeben.
Es gibt einen Sammelband, der alle sieben Kirchenkrimis vereint. Nicht besonders handlich, da immerhin mehr als 1100 Seiten, aber dafür musste ich nicht lange suchen, ob und wo es die Einzelbände überhaupt noch gibt.
Die Reihenfolge der Krimis ist wie folgt:
1993: Wenn der Tod tanzt
1994: Wer einmal brennt
1995: Gut – besser – tot
1996: Wer flucht für alle Ewigkeit
1999: Stille Nacht
2001: Treibsand
2007: Totenblumen
Fast alle Bücher spielen rund um das fiktive „Klein Hasenberg“ (Ähnlichkeiten mit Klein Wesenberg, wo Christian Uecker Pastor war, sind nicht ausgeschlossen). In „Gut – besser – tot“ geht es zum Kirchentag nach Hamburg. Das ist übrigens die einzige Geschichte aus der Reihe, mit der ich überhaupt nicht warm wurde. „Treibsand“ spielt auf Amrum und für die „Totenblumen“ geht es nach England.
Also jede Menge Lokalkolorit, und wer die kirchliche Arbeit kennt, ob im Haupt- oder Ehrenamt, oder in Vereinen tätig ist oder auf dem Land lebt, wird das ein oder andere wiedererkennen oder zu den Charakteren ein Gesicht aus der eigenen Nachbarschaft vor Augen haben.
Ein kleines Detail am Rande: die Ersatzteilsituation für Hanomag-Traktoren hat sich seit Erscheinen der Bücher erheblich verbessert 🙂
Zu Christian Ueckers zehntem Todestag erschien dieser Artikel in der Evangelischen Zeitung. Das ist auch schon wieder neun Jahre her, und wäre ihm ein so langes Leben vergönnt gewesen wie manchen seiner Protagonisten, hätte er dieses Jahr seinen 70. Geburtstag gefeiert. Bestimmt mit einem Ständchen des örtlichen Gesangvereins und mit Kuchen der Frauenrunde und Basteleien der Kindergartenkinder. Wie das halt so ist aufm Land.