Category Archives: Sammelsurium

alles Mögliche

Treibholz

Einmal im Jahr, meist in der Weihnachtszeit, lese ich um die 50 Reise- und Aussteigerblogs. Das tue ich als Jurymitglied für ein Onlinemagazin und dann gibt es irgendwann im Januar die große Preisverleihung und es ist wieder Ruhe bis zum nächsten Mal.
Manche Blogs, die auf die Shortlist kommen, lese ich auch außerhalb der Bewertungsphase ab und zu, aber die wenigsten sind für mich so interessant, dass ich ihnen regelmäßig folge. Da gibt es in der weiten Bloggerwelt ganz andere Themen, die ich spannend finde.
Nicht, dass ich nicht gerne verreise. Ich fahre gern in den Urlaub, und ich komme gern wieder nach Hause. Aber alle Zelte abzubrechen, „endlich frei zu sein“, in einem Auto zu leben und durch die Welt zu reisen, das reizt mich nicht. Die Freunde dieses Lebensstils nennen mich mitunter langweilig, ängstlich, festgefahren, unflexibel. Damit kann ich leben.
Was mir dieses Jahr bei vielen Blogs neben dem austauschbaren Design auffiel, war, dass zwar überall von der Freiheit und der großen Zufriedenheit geschrieben wird und davon, dass man sich einfach nur treiben lasse, aber dass doch der Eindruck entsteht, das „treiben lassen“ sei doch eher ein „getrieben sein“.
Bloß niemals stillstehen, immer weiter, immer wieder neue Fotos, Geschichten, Erlebnisse, abonniert unseren Newsletter, kauft unser Buch, besucht unseren Vortrag, nehmt an unserem Webinar teil, verpasst keine Sekunde unseres Lebens. So ziehen sich die Aufforderungen an uns Leserinnen und Leser durch die Blogs.
Ist das denn tatsächlich Freiheit, wenn ich mir jeden Tag Gedanken mache, wo ich das nächste offene Wlan finde, um Dutzende Bilder hochladen zu können? Wenn ich in Foren um Klicks betteln gehe, weil meine Sponsoren erwarten, dass täglich x Besucher auf meine Seite kommen? Wenn ich immer und immer wieder betonen muss, wie wunderbar das doch ist, endlich weg zu sein vom tristen Alltag?
Aber auch auf Reisen gibt es ihn, den Alltag. Und auch auf Reisen gibt es mich selbst, mit all meinen Wünschen, Träumen, Hoffnungen und Problemen. Ich lasse mich ja nicht zurück, wenn ich meine Wohnung aufgebe und nur noch eine Handvoll Bücher und Klamotten mitnehme. Ich lasse mich nicht zurück, wenn ich in Schwierigkeiten komme und diese lösen muss. Wenn ich Menschen treffe und mit diesen klarkommen muss.
Ich gönne jedem die Erfüllung seines Lebenstraums. Wenn der Lebenstraum das Reisen und Weg-sein ist, dann ist das gut und richtig für denjenigen. Aber von der großen Romantik ist zwischen den Zeilen oft nicht mehr viel übrig. Und wir, die wir zuhause bleiben und nur ein paar Wochen im Jahr unterwegs sind, verpassen wir tatsächlich etwas? Müssten wir nicht auch losfahren, um frei zu sein?
Irgendwann bloggte ich schon einmal in einem kleinen Absatz darüber, dass Freiheit etwas ist, das im Kopf beginnt. Nur, weil wir ein Haus haben, bedeutet das nicht, dass wir nicht frei sein können. Ja, wir sind in gewisser Weise gebunden. Aber für mich ist das genau richtig. Ich war jahrelang unterwegs, bin ständig umgezogen, habe immer wieder neue Jobs gehabt, habe mich gesucht und gefunden und wieder verloren und bin jetzt an dem Punkt, wo ich sagen kann, mein persönliches Stück Treibholz ist hier hängengeblieben, in dieser Region, an unserem krummen Fachwerkhäuschen, mit diesem einen besonderen Menschen, und ich fühle mich hier so wohl und so frei wie schon lange nicht mehr.
Ich werde auch beim nächsten Mal gerne wieder Jurymitglied sein und Geschichten vom Reisen und von der Freiheit lesen. Aber ich brauche keine Aufforderung, auch so zu leben und nur so zur Zufriedenheit zu kommen.
Denn das ist Kopfsache, und mein Kopf ist immer dabei, wohin ich auch gehe.

Frohes neues Jahr!

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„Er fehlt überall…“

„Er fehlt überall“, sagte meine Nachbarin vor ein paar Tagen, als wir im Gespräch auf ihren Vater kamen, der Anfang November beerdigt wurde. Obba Herbert, wie wir alle sagten und wie auch wir zu ihm sagen durften, war ein Unikum. Er war gelernter Weißbinder und Hobbyobstbauer und hatte eigentlich immer etwas zu tun, zu reparieren oder anzustreichen. Wie so viele seiner Generation hat er nie darüber gesprochen, wenn es ihm einmal schlecht ging, aber in den letzten Monaten vor seinem Tod war es deutlich zu sehen, dass er kämpfte.

„Er fehlt überall“, das haben wir in meiner Familie zwar noch nicht gesagt über unseren Verlust kurz vor Weihnachten, aber das wird noch kommen. Wir haben heute meinen Schwiegervater beerdigt und auch er wird schmerzlich vermisst. Er war derjenige, der bei jeder Familien- und anderen Feier die Fotos gemacht hat, und heute in der Kirche habe ich irgendwie immer darauf gewartet, dass er um die Ecke kommt und ein Bild schießt. Es ist ein komisches Gefühl, dass das künftig nicht mehr so sein wird.

Viele sagen ja, dass 2016 ein ganz schreckliches Jahr war, weil so viele Menschen gestorben sind. Viele denken dabei an Prominente, andere denken an die Kriegsopfer und Flüchtlinge, die auf der Suche nach Frieden und Sicherheit den Tod gefunden haben. Und wieder andere denken dabei an Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Nachbarn… wenn man jung ist, denkt man wohl eher selten über den Tod nach. Manchen ist ihr Glaube ein Trost, andere versuchen sich das rational zu erklären. Menschen trauern sehr unterschiedlich und ich finde es wichtig, sich diesen Raum zu nehmen und anderen diesen Raum zu geben. Das ist wichtiger als kluge Worte oder Sprüche, und doch so schwierig.

Für mich war 2016 ein Jahr mit Höhen und Tiefen, und es hätte ganz sicher nicht mit einer Beerdigung enden müssen, aber es hatte sehr viele positive Momente und wenn ich wirklich alles auf die Waagschale lege, so neigt es sich doch eindeutig zum Guten.

All meinen Leserinnen und Lesern danke ich dafür, dass sie hier vorbeischauen, und wünsche schon jetzt einen guten Start ins neue Jahr. Ich hoffe, dass es für jede und jeden etwas Schönes bereithält, und in traurigen Zeiten die nötige Kraft.

Wir lesen uns nächstes Jahr wieder.

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New on my bookshelf, and some music stuff

Yes, I know, I know, it has been rather quiet here on the blog, and I hope to change this in the days (weeks) to come.
I have been busy. Doing a lot of stuff on the weekends, like teaching first aid, playing the organ, playing the accordion, going to family gatherings, knitting… and occasionally reading books.
I have read Frank Westworth’s „The corruption of Chastity“ and I read „A last act of Charity“ to make myself more familiar with the world of JJ Stoner. There’s a separate blog post coming soon where I will also explain why I read the books in the „wrong“ order 😉

Recently, Ben Aaronovitch (https://twitter.com/Ben_Aaronovitch), whose books I adore, recommended a new novel (the first?) by Andrew Cartmel (https://twitter.com/andrewcartmel): „The Vinyl Detective“. I finally got round to getting the book and started reading this morning on the train. What should I say, I almost missed my stop because I was immediately hooked. It’s a page turner, at least for me. And it deserves a blog post of its own which I will write when I’m done with the book (I need a few more train rides, though).

Linda MacFadyen (https://twitter.com/LindaMacFadyen), who organised the wonderful „Thin Ice“ blog tour, mentioned Natasha Walter’s „A quiet life“ which is next on my reading list and already sits on my bookshelf. Well, to be honest, it sits on the kitchen table, but will move onto the bookshelf soon.

What else was I reading? I re-read „Punk Rock People Management: A No-Nonsense Guide to Hiring, Inspiring and Firing Staff“ by Peter Cook, „Team Genius: The New Science of High-Performing Organizations“ by by Rich Karlgaard and Michael S. Malone, and I read lots of music. 😉

Speaking of music, yesterday evening I had the pleasure of playing a nice small grand piano at a service held by and for women. Men were invited, too, but none came. So we were a female-only congregation, and, as it often happens, I was the youngest.
I played Clara Schumann’s prelude in B flat, an Andante Espressivo by Hedwige Chretien, and another Andante espressivo by Helene Liebmann. Also, I played a piece by Margreeth de Jong, originally for organ, but it was manuals only and sounded quite nice on the piano. And of course I accompanied all the songs we sang during the service.
Afterwards, the pastor came to me and said that the piano hadn’t sounded so good for ages. I accepted the compliment gracefully (I hope!), but wondered at the same time who the other people might be who play that piano regularly. The perfectionist inside me didn’t think my playing was that good, but I made her shut up 🙂

Thanks for coming back to the blog in quiet times, and I hope to see you again soon!

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Leseempfehlung: übers Altern und Pippi Langstrumpf und das Künstlerinnendasein

Gestern las ich einen Artikel im Blog der von mir sehr geschätzten Petra van Cronenburg, den ich unbedingt teilen und zum Lesen empfehlen möchte.
Empfehlen deshalb, weil Petra einfach toll schreibt, weil mir ihr Weg teilweise bekannt vorkommt, weil ich mir manche Fragen, die sie stellt, auch selbst stelle, und weil ich denke, dass ihre Geschichte für alle, die Entscheidungen treffen wollen oder müssen, den ein oder anderen Denkanstoß liefern kann:
https://cronenburg.blogspot.de/2016/05/altersstarrsinn-langstrumpf-gene.html

Viel Spaß beim Lesen!
Ach ja, und wer mehr von Petra lesen möchte und Essen und/oder das Elsass genauso mag wie ich, kaufe sich im Buchladen seines Vertrauens „Elsass – Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt“ oder jedes andere (e-)Buch von ihr. 🙂

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Neues für die Papiertante: der Taschenbegleiter

Nicht nur bei Büchern bevorzuge ich Papier, auch meinen Kalender führe ich seit Jahren in Papierform. Ich mag es, online zu sein, ich kann Stunden damit verbringen, Blogs am Rechner oder auf dem Smartphone zu lesen, ich tummle mich in Foren, bei Twitter… aber ich mag ohne Notizbücher und Papier nicht sein. Wenn ich eine Idee fürs Blog habe, mache ich mir eine Notiz. Mit Bleistift oder Füller, oder auch Kuli, was halt gerade da ist.
Ich habe einen Notizbuch-Tick, glaube ich. Zumindest habe ich eine große Sammlung an unterschiedlichen Notizbüchern, z.B. für unterschiedliche Themen, oder als laufende „Merkzettelsammlung“, oder einfach zum Schönfinden.

Ich mag handgemachte Dinge. Die sind oft etwas teurer, manche sagen, zu teuer, aber bestimmte Dinge sind mir einfach etwas wert.

Irgendwann hatte ich mal eine Dokumentation über Manufakturen gesehen. Unter anderem wurde dort der „Taschenbegleiter“ aus Saarbrücken vorgestellt: http://roterfaden.de/
Ich sagte noch so beiläufig, ach, schau, das sieht ja toll aus, dachte dann aber nicht weiter darüber nach. Bis neulich, an meinem Geburtstag, als ich ein in rosa Packpapier eingeschlagenes Ding in Händen hielt, das sich als mein eigener Taschenbegleiter entpuppte. Außen rot, innen grau, von der Haptik einfach toll, und das Beste ist, dass nicht nur die Notizbücher hineinpassen, die extra dafür gemacht werden, sondern auch Notizbücher anderer Marken.

Ich bin nun also bestens ausgestattet für meinen Spleen.

Agatha Christie Fans wissen es vielleicht schon, auch sie sammelte im Laufe der Jahre eine Menge Notizbücher an. Wer lesen möchte, was sich an Aufzeichnungen zu ihren Romanen dort findet, kann das in diesem Buch tun (gibt es m.W. nur auf Englisch): https://www.harpercollins.co.uk/9780007310579/agatha-christies-secret-notebooks

Außer, dass ich ihre Bücher sehr gerne lese, habe ich aber sonst wohl nicht so viel mit ihr gemeinsam 😉

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Ambivalenz

In den letzten Wochen habe ich hier wieder etwas weniger geschrieben, dafür mehr nachgedacht. Vermutlich zu viel.
Mir geht es gut, keine Frage. Vom Heuschnupfen mal abgesehen, aber das ist ja zeitlich begrenzt. Trotzdem nagen verschiedene kleine Zweifel an und in mir. Zweifel, ob ich mit dem, womit ich mein Geld verdiene, auf dem für mich richtigen Weg bin.
Zweifel, ob ich zu vieles von dem, was ich mal gelernt habe und teilweise immer noch gut kann, nicht nutze.
Gedanken, die um die Frage kreisen, ob ich nicht vielleicht alles haben kann, die Kombination aus verschiedenen Talenten und Neigungen, und wenn ja, ob und wie das in der Praxis zu bewerkstelligen wäre. Gleichzeitig der innere erhobene Zeigefinger, dass ich mich nicht verzetteln soll, dass ich zu meinen Entscheidungen stehen soll, dass es schon irgendwie gut ist, so wie es ist.

Chaos im Kopf und im Bauch, und doch Zufriedenheit. Das ist inspirierend und verwirrend zugleich, und liest sich vielleicht so, als hätte ich gerade nicht alle Tassen im Schrank. Gut, wäre auch nicht das erste Mal in meinem Leben 😉

Wie heißt es in einer meiner Lieblingsserien so schön: „In dir ist das doch schon wieder am arbeiten“. Genauso fühle ich mich im Moment, und meist geht es mir prima damit, doch manchmal denke ich, dass ich wohl mal wieder zu viel denke und einfach mal machen sollte. Zum Beispiel diese unfertigen Gedanken aufschreiben (hiermit erledigt).

Was mich letzte Woche übrigens sehr gefreut hat, war eine Anfrage fürs Orgelspiel bei einem Taufgottesdienst, die über mehrere Ecken an mich herangetragen wurde mit dem Hintergrund, man suche jemanden, der „ein richtig guter Musiker“ sei. Meine innere Rampensau feiert und sagt, endlich erkennt das mal jemand, und der schüchterne Teil von mir hat sich erst mal verkrochen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie das wird.

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Ein besonderer Tag

Gestern war ein besonderer Tag, und eigentlich hatte ich auch gestern einen Beitrag schreiben wollen.
Doch dann kamen die ersten Meldungen aus Brüssel rein, und irgendwie war mir dann nicht mehr danach, hier etwas Persönliches zu sagen.

So schreibe ich eben heute.

Gestern war der Geburts- und Todestag meiner Großmutter väterlicherseits. Ja, meine Oma ist tatsächlich an ihrem Geburtstag verstorben. 78 Jahre alt wurde sie. Sie stammte aus dem nördlichen Frankenwald und lebte dort 72 Jahre lang. Dann zog sie zu uns in die Stadt, weil sie nicht Auto fuhr und auf dem Dorf nicht mehr so recht alleine sein konnte.

Ich habe meine Oma sehr gern gehabt, und irgendwie wurde mir das erst so richtig bewusst, nachdem sie weg war. Wie gerne hätte ich noch von ihr gelernt, wie man bei Socken eine ordentliche Ferse strickt, oder was das Geheimnis ihres leckeren Milchreisapfelauflaufs war, mit dem sie uns immer mal verwöhnt hat.

So bleiben mir Erinnerungen. Erinnerung an eine Frau, die ein unheimlich großes Herz hatte und gleichzeitig manchmal so verbohrt war, dass ich mit ihr überhaupt nicht zurecht kam.
Eine Frau, die jahrelang Pakete zur Verwandtschaft nach Thüringen schickte und die jeden erdenklichen DDR-Witz kannte und auch erzählte.
Eine Frau, die als einzige in der Familie standhaft von Rotkraut sprach, während wir anderen Blaukraut sagten, und die, wenn sie sich ärgerte, eine Diskussion auch schon mal mit den Worten „Entschuldigen Sie, dass ich geboren bin“ beendete und in ihrem Zimmer verschwand.
Eine Frau, von der ich Sprüche gelernt habe wie „Mit dem Urteil nicht eile, höre zunächst beide Teile“ oder „Bei dem haben sie ja wohl auch das Gute weggeworfen und die Nachgeburt aufgezogen!“.
Ja, meine Oma nahm kein Blatt vor den Mund und ließ es sich auch nicht nehmen, dem Pfarrer zu sagen, er müsse mal wieder zum Friseur, er sähe ja aus wie ein Apostel.

An sich selbst hat sie irgendwie nie besonders gedacht. Im Haus meiner Eltern hatte sie das Zimmer mit dem Balkon bekommen, und einen schönen Stuhl zum Draußensitzen. Draußen sitzen kam aber nicht in Frage. Die Leute könnten dann ja sehen, dass sie gerade nichts tut. Den neuen Mantel ließ sie lieber im Schrank, um ihn zu schonen, und anstatt sich selbst etwas zu kaufen, wanderte vieles von ihrem Ersparten zu ihren Enkeln. Ob sie glücklich war? Oder wenigstens zufrieden? Ich bin ehrlich, ich weiß es nicht. Ich habe sie nie gefragt, denn obwohl wir ein gutes Verhältnis hatten, war das nichts, worüber wir miteinander gesprochen hätten. Aber wenn ich, nicht nur an ihrem Geburtstag, an sie denke, wird mir warm ums Herz, und das ist einfach sehr schön.

Der gestrige Tag hatte noch eine weitere Besonderheit.
Ich habe nach zehn Jahren im Vorstand eines gemeinnützigen Vereins mein Amt niedergelegt und werde den Verein verlassen. Das ist für mich ein großer Schritt, der einerseits notwendig wurde, der mir andererseits aber auch sehr schwer fiel und ein bisschen weh tut. Dass ich unterjährig, nicht zum Ende einer Wahlperiode, diesen Schritt gehen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Dass es auch in Vereinen, die sich damit beschäftigen, anderen Menschen Gutes zu tun, nicht nur „gute“ Menschen gibt, und dass es auch in diesem Umfeld so etwas wie Mobbing gibt, das ist mir nicht neu und ich habe auch immer dagegen gekämpft. Bis ich selbst zur Zielscheibe wurde, und nicht nur ich, sondern zwei weiter Vorstandsmitglieder. Der übergeordnete Verband sah keine Notwendigkeit, uns zu unterstützen, und so wurde die Arbeit immer aufreibender und das brauche ich in einem Ehrenamt nun wirklich nicht.
Für mich wird es neue Aufgaben geben, neue Herausforderungen, denn jeden Tag ruhig zuhause sitzen kann ich nun mal nicht gut.
Aber jetzt ist erst einmal eine Ära zu Ende und ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, mich daran zu gewöhnen und mit dem, was schiefgelaufen ist, meinen Frieden zu machen.

Morgen beginnt meine jährliche social-media-freie Zeit. Wir lesen uns dann nach Ostern wieder!

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Unfertige Gedanken zum Glück

Mein Leben hat Höhen und Tiefen. Das ist an sich nichts Besonderes, und ich blogge auch nicht über alles, was so passiert oder was mir durch den Kopf geht. An manchen Tagen schreibe ich nicht mal in mein Tagebuch – ich habe tatsächlich noch eins, aus Papier, und ich liebe es, mich in Ruhe hinzusetzen und der Tinte beim Fließen auf die Seiten zuzuschauen und auch mal zurückzublättern und zu sehen, was war und wie es mir ging.
Ich habe Phasen, in denen mich der Weltschmerz packt, und nicht immer komme ich da leicht wieder raus. Da helfen wohlmeinende Ratschläge nicht, so nach dem Motto, man müsse sich nur zusammenreißen und so. Einige meiner Leserinnen und Leser werden das kennen.

Aber ich habe seit meinem letzten größeren Zusammenbruch gemerkt, dass es mir wesentlich besser geht, wenn ich auf manche Situationen nicht einfach nur reagiere, sondern aktiv werde, agiere, mich ganz bewusst groß mache, nicht klein bleibe. Und es ist faszinierend, wie gut das tut.

Seit Jahresanfang habe ich noch ein weiteres „Mini-Tagebuch“. Das ist einfach nur ein kleiner Kalender, nur wenige Zeilen stehen für jeden Tag zur Verfügung. Diesen Kalender nutze ich fürs Glück. Klingt vielleicht komisch, aber was ich tue, ist, jeden Tag oder vielmehr jeden Abend mindestens drei Dinge aufzuschreiben, die an diesem Tag gut waren, schön waren, mich glücklich gemacht haben. Das können so simple Sachen sein wie eine Eisblume am Fenster, das Abendrot oder das Feuer im Kamin. Das können aber auch größere Sachen sein, Begegnungen, Begebenheiten, Gedanken…

Es mag viele Gründe haben, warum ich seit ein paar Wochen wieder sehr ausgeglichen bin. Trotzdem denke ich mir manchmal, dass das Glück viel präsenter ist im Leben als man oft wahrnimmt. Es braucht einfach nur einen Anstoß, gesehen, gehört, gespürt zu werden. Damit möchte ich nicht behaupten, dass man durch simple fröhliche Tagebücher aus einer Depression rauskommt oder Schicksalsschläge weglachen kann, aber diese latente Unzufriedenheit, die ich bei vielen Menschen, denen ich begegne, immer wieder spüre, die ließe sich durch ein paar angenehme Gedanken ersetzen, und das macht nicht einmal viel Arbeit und kostet fast nix. Außer Zeit.

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Kleines Jubiläum – 28.12.

Am 2812.2011 erblickte dieses Blog das Licht der Welt.

Damals wusste ich noch gar nicht so recht, was ich eigentlich schreiben wollte, und wie regelmäßig, und für welche Zielgruppe – also genau so, wie man’s ja nicht machen soll 😀

Bin ich heute schlauer? Nun ja, heute weiß ich, dass ich es nicht immer schaffe, regelmäßig zu schreiben, dass ich aber immer wieder Spaß daran habe und zumindest in nächster Zeit nicht damit aufhören werde.

Wer meine Zeilen hier liest, erfahre ich manchmal durch Kommentare und Sterne/Herzen bei Twitter, seltener durch Kommentare hier im Blog, und noch seltener durch die ein oder andere E-Mail. Ich könnte natürlich meine Statistiken noch genauer anschauen, und mir ganz viele Gedanken machen, aber da ich hier einfach nur bin, ist das nicht nötig.

Apropos einfach nur sein, ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mich fragen, warum ich mir denn ein Haus (inkl. renovierungsbedürftiger Nebengebäude) ans Bein gebunden hätte, warum wir nicht unseren Laster zum Fernreisemobil umbauen und aussteigen würden, warum wir nicht auswandern würden, ob ich denn nicht frei sein wolle.

Frei sein ist bei den Menschen, die mich das fragen, oft ein ziemlich romantisches Konzept und auf ihren eigenen Standpunkt bezogen. Ich fühle mich durchaus frei, denn wir haben zwar das Haus, aber es hat uns niemand gezwungen, es zu kaufen und herzurichten, sondern wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden. Ich fühle mich hier wohl. Und Freiheit beginnt auch im Kopf. Ich bin frei, weil ich meine Onlineaktivitäten nicht zum Geldverdienen betreibe, weil ich hier mal schreiben kann und mal nicht, ganz wie es mir gefällt und wie es gerade zu mir und dem „Offlineleben“ passt.

Ich fühle mich frei, weil ich so viele Möglichkeiten habe, meine Ideen und Hobbys auszuleben – natürlich hätte ich gerne viel mehr Zeit zum Musikmachen, zum Stricken, zum Faulenzen, zum Lasterschrauben… aber es ist gut so, wie es ist.

Wir haben ein paar wunderschöne Weihnachtstage verlebt. Wir hatten (und haben) eine Menge zu essen, genug Feuerholz, tolle Menschen um uns herum, und in wenigen Tagen beginnt ein neues Jahr und ich habe mir nichts vorgenommen.

Außer, weiterhin zu sein – mal glücklich, mal traurig, mal fröhlich, mal nachdenklich, und zufrieden.

Da ich heute noch nicht weiß, ob ich dieses Jahr noch einmal blogge, wünsche ich allen schon einmal einen guten Start ins Jahr 2016 und freue mich darauf, wenn auch nächstes Jahr ein paar Klicks auf dieser Seite zu verzeichnen sind.

 

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Was ich wirklich gut kann…

… ist, mir selbst im Weg zu stehen und mein Licht unter den Scheffel zu stellen.
Nein, natürlich kann ich noch viel mehr, doch wenn ich überlege, warum ich dieses oder jenes nicht hinkriege, stoße ich ganz schnell an Grenzen, die ich mir selbst setze. Teilweise sind es uralte Glaubenssätze aus der Kindheit, über die ich immer noch stolpere, teilweise sind es schlechte Erfahrungen aus jüngerer Zeit, die mich vorsichtig werden ließen.

Ich kann mir vorstellen, dass es unter meinen Leserinnen und Lesern auch einige gibt, denen das so geht. Deshalb möchte ich heute meine Erfahrungen teilen und erzählen, was ich so mache, wenn ich mich selbst wieder in ein Motivationsloch gesetzt habe.

Hintergrund dieser Gedanken ist unter anderem, dass ich seit Monaten zu häufig unzufrieden bin mit meinem Arbeitsplatz und den Aufgaben, die ich dort habe. Es ist beileibe nicht alles schlecht oder so schlimm, dass ich sofort gehen müsste, aber ich merke, dass es mir immer schwerer fällt, mich zu motivieren und so schnell und gut zu arbeiten, wie ich es eigentlich könnte. Deshalb denke ich darüber nach, ob und was ich anders machen könnte. Teilzeit arbeiten, einen anderen Job suchen, mich selbständig machen… viele Ideen tummeln sich in meinem Kopf, einige sehr konkret, andere ziemlich schwammig. Und regelmäßig meldet sich dieses kleine Stimmchen, das sagt, was willst Du eigentlich, Du kannst nix wirklich richtig, Du kommst sowieso nicht voran, Dein Lebenslauf ist nicht das, was die meisten Arbeitgeber haben wollen, Du bist ungeduldig, frech und vorlaut und außerdem weißt Du doch eh nicht, was Du kannst und willst.

Damit kann man sich richtig den Tag versauen. Oder den Abend.

Was also tun?

  • Mir hilft es sehr, mir von vertrauten Menschen Rückmeldung geben zu lassen. Auch wenn ich nicht immer alles gerne höre, was sie mir sagen, ich brauche Gespräche mit dem Partner oder mit engen Freunden, um mich zu erden, um mir Streicheleinheiten oder auch Kritik zu holen. Und vor allem kann ich da sehr gut üben, mal ein Lob anzunehmen, ohne gleich wieder in die „Ja, aber“-Schleife zu rutschen.
  • Ich liebe Listen (sieht man ja hier 😀 ). Also mache ich mir Listen mit Dingen:
    • die ich gerne mache
    • die gut sind/waren
    • die ich erledigen möchte
    • die ich erledigen muss.
  • Apropos Listen,  der „Daily happy plan“ von BlueEggsAndTea gefällt mir sehr gut: https://www.pinterest.com/pin/469992911087476645/
  • Ich gehe raus an die frische Luft. Und wenn es nur der eigene Garten ist.
  • Ich erinnere mich jeden Tag daran, dass ich gut bin, wie ich bin.
  • Ich nehme mir Zeit. Zeit, schwimmen zu gehen (Entspannung pur!), Zeit, zu musizieren, Zeit, nichts zu tun. Wobei ich davon mehr machen möchte, das klappt nämlich im Moment nicht regelmäßig.
  • Ich versuche, meine Eigenschaften mal anders zu sehen. Mich über meine Faulheit nicht aufzuregen, sondern zu überlegen, wann und wie das gut sein könnte. Meine schnelle Auffassungsgabe nicht als Problem zu betrachten (weil andere im Team das als schwierig empfinden), sondern zu schauen, was ich damit machen könnte. Meine Neugierde zu nutzen, um herauszufinden, was mir liegt und was ich machen möchte.

Ich glaube, ich habe da noch einen langen Weg vor mir, aber wenn ich heute nicht damit anfange, wann dann?

 

 

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