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Für wen ich singe

Menschen schreiben Dinge ins Internet. Ich auch.

Neulich las ich die Klage eines Menschen über Liedermacher.
Sinngemäß schrieb er: die sind nervig, denn Politik hat in der Musik nichts zu suchen und wer würde schon gerne von gitarrespielenden langhaarigen Weltverbesserern belehrt werden.

Nun ja.

Ich habe kurze Haare und spiele Ukulele und habe ein Lied geschrieben, in dem auch die Menschen vorkommen, an deren Verhalten ich mich stoße.

Wie immer gilt für meine Texte und für meine Musik, dass ich ausdrücklich und sehr bestimmt jegliche Nutzung zum Training von wie auch immer gearteter KI/AI/Künstlicher „Intelligenz“/LLM und ähnlichen Tools untersage. Ich schreibe und singe für Menschen.

Ein Video mit Untertiteln gibt es hier.

Und hier ist der komplette Text zum Nachlesen.

Die Musik
ist zum Glück
mit dem Marketing
nur durch m und i und k verbunden.

Darum singe ich, für wen ich singen will,
nämlich für Menschen und nicht für Kunden.

Keine Kennzahl sagt mir, was ich texten soll.
Kein Algorithmus rät: probier’s doch mal in Moll!

So werde ich zwar nicht
reich und berühmt.
Doch ich sing für wen ich mag,
direkt und unverblümt.

Ich sing für die Müden, die Wachen,
die Großen, die Kleinen,
die Sehnsuchtsvollen.
Für die, die träumen, die lachen,
die schmusen, die weinen,
die tanzen wollen.
Ich sing für euch und für mich
voller Hoffnung und auch im Vertrauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen.

Ich sing für alle, die wie ich
eine bunte Welt zu schätzen wissen
Für alle, die im Lärm und Getöse
die leisen Töne vermissen.

Ich sing auch für dich, der du sagst
Liedermacher gehen dir total auf den Geist
Ich sing für dich, der, egal was ich sage,
es am Ende doch besser weiß.

Ich sing für die Müden, die Wachen,
die Großen, die Kleinen,
die Sehnsuchtsvollen.
Für die, die träumen, die lachen,
die schmusen, die weinen,
die tanzen wollen.
Ich sing für euch und für mich
voller Hoffnung und auch im Vertrauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen.

Ich sing für alle, die dem Hass und der Hetze
etwas entgegen flauschen
und für die, die so gerne
auch den Zwischentönen mal lauschen.

Ich sing auch für die, für die Lieder und Texte
stets unpolitisch sein müssen
und für die, die es stört, dass der Karl und der Heinz
oder Jemke und Jamie sich küssen.

Ich sing für die Liebe für alle,
für Vielfalt statt Zwiespalt,
für Menschlichkeit.
Für die, die stolpern, die fluchen,
die seufzen, die suchen,
für Zusammenhalt.
Ich sing für euch und für mich
voller Hoffnung und auch im Vertrauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen
dass wir gemeinsam auf dieser Welt
Frieden stiften und Brücken bauen.

[CC-BY-SA-NC-No-AI]

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„Willkommen im Internet“

Das hier ist ein Rant. Also, ein Beitrag, in dem ich mich aufrege und Luft ablasse über ein Thema. Ich versuche dabei, höflich zu bleiben und nicht zu fluchen, weise aber der Transparenz halber darauf hin, dass mir etwas ziemlich gegen den Strich ging und ich im Folgenden darüber schreibe. Stichworte sind u.a. Mansplaining, Herrklären, Besser-wissen-müssen und Tunnelblick-bei-technischen-Lösungen.

Vor einer Weile bekam ich im Fediverse einen Post einer Frau in meinen Feed gespült, den ich interessant fand und aus dem sich ein Dialog entwickelte. Ich begann, dieser Frau zu folgen. (Hinweis: ich schreibe absichtlich nicht geschlechtsneutral, weil es noch relevant wird, dass es sich um eine Frau handelt. Ich bin auch eine.)

Sie schreibt viel und sehr engagiert und ich finde es großartig, dass sie eine Plattform im Fedi nutzt.

Nun las ich, dass sie sich eine Auszeit nimmt, da sie mit hämischen und besserwisserischeren und herrklärenden Beiträgen zugeschüttet wurde und das in einem solchen Ausmaß, dass es ihr schlicht zu viel wurde. Kommt euch vielleicht bekannt vor – ist leider etwas, das im Fediverse und vor allem durch Mastodon-Nutzer (auch hier absichtlich nicht geschlechtsneutral) immer wieder vorkommt.

Die Menschen, die sich für die Durchblicker halten (Niemals Meta! Niemals andere Betriebssysteme als Linux! Bloß keine Software, die nicht FOSS ist! Alles, was nicht so links ist wie ich, muss bekämpft werden! etc.), scheinen im Fediverse ein Biotop zu haben. Nicht nur dort, wie ich aus fast 20 Jahren Forenbetrieb weiß. Aber im heutige Beitrag geht es nicht um mein Forum.

Engagement für eine Sache ist toll. Ich bin sehr leidenschaftlich, wenn es um Komponistinnen geht. Um Teilhabe und Barrierefreiheit. Um queeres Leben. Um Rechte für trans Menschen. Um Natur und Naturschutz. Ich weiß, dass ich auch eine kleine Besserwisserin in mir habe. Und weil ich das weiß, versuche ich, bei meinen Leidenschaftsthemen immer auch zu schauen, wie mein mit Verve getippter Beitrag ankommen könnte. Klartext ist wichtig, aber nicht um jeden Preis.

Es gibt Menschen, die das nicht können. Das ist erstmal nicht schlimm. Wir lernen alle und ich bin weit davon entfernt, stets passend zu kommunizieren. Ich ecke dann und wann an.

Aber wenn diese Menschen in größeren Gruppen auftauchen, wird es anstrengend. Da kann frau (!) noch so oft sagen, nein, danke, das, worauf du hier antwortest, habe ich nicht gefragt, oder, ja, ich habe über Thema XY promoviert, du musst mir hier nicht die Grundlagen näherbringen oder was auch immer. Ist einmal eine Sache gefunden, bei der mann (!) sich für wissend hält, gibt es kein Halten mehr.

Und dann las ich im Rahmen der Ankündigung dieser Nutzerin, dass sie sich jetzt ein Pause gönnt, neben vielen bestärkenden Kommentaren diesen hier:

Willkommen im Internet!

Und da ist mir innerlich der Kragen geplatzt. Was denkt sich die Person bei diesem Beitrag? Dass die Frau sich nicht so anstellen soll? Dass es „normal“ ist, dass Menschen „so“ sind? Dass wir uns dieses Verhalten gefallen lassen müssen?

Dass das Internet „so“ ist und so sein muss?

Im Läwwe ned! Würde bei uns im Dorf gesagt (Übersetzung: nie im Leben!).

Ich nenne absichtlich keine Namen, weil ich niemanden vorführen möchte. Es geht mir auch nicht um Einzelpersonen, sondern um die Sache an sich. Denn ich finde: das Internet muss nicht aus Hauen und Stechen bestehen. Wir müssen uns nicht gegenseitig verbal ins Gesicht springen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Und es ging in dieser Situation, die ich beobachtet habe, wirklich nur um Meinungen. Nicht um Äußerungen, die diskriminierend, sexistisch, rassistisch, antisemitisch sind, um nur einige Beispiele zu nennen. Das alles sind KEINE Meinungen, und da muss entschieden dagegen gesprochen werden. Aber wenn es um technische Themen geht, du meine Güte. Da kann ich selbst natürlich sagen, hey, ich benutze Software SoUndSo und komme super damit klar, probiere es gerne aus und wenn du Hilfe brauchst, meldest du dich. Aber wenn ich ankomme und sage: Wie kannst du nur Software AnderesDings nutzen statt SoUndSo, das ist doch total daneben, und nur wer SoUndSo nutzt hat es drauf und ist total toll – dann ist das einfach unangemessen und mitunter übergriffig und muss einfach nicht sein!

Überhaupt muss es nicht sein, dass Männer Frauen die Welt erklären, weder im Internet noch anderswo. Und: es genügt doch, wenn einer den Herrklärbären aus dem Gehege lässt (wobei sich Herrklärbär putziger anhört als es ist), da müssen nicht Dutzende andere auch noch ihren Senf dazugeben.

Ich möchte, dass das Fediverse gedeiht und weiterhin eine Alternative zu Big Tech Plattformen bleibt. Dazu müssen einige aber einiges dazulernen in der Art und Weise, wie sie kommunizieren. Wir werden nicht weiterkommen, wenn wir Menschen, die etwas zu sagen haben, unterbuttern, weil sie aus einer anderen Lebenswelt kommen oder weil sie etwas nicht genau so machen, wie wir es für richtig halten.

Um das noch einmal ganz deutlich zu machen: mir geht es nur darum, wie wir miteinander reden und wie wir Ratschläge erteilen (bitte nicht ungefragt und von oben herab!). Es geht mir nicht darum, menschenfeindliche Äußerungen unwidersprochen stehen zu lassen. Menschenfeindlichkeit ist keine Meinung. Da verstehe ich auch keinen Spaß.

Rant over.

(Ob es mir jetzt besser geht, weiß ich noch nicht. Aber zumindest „draußen“ ist es.)

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Wochenschnipsel 2527

Am bisher wohl heißesten Tag des Jahres sitze ich am Schreibtisch und habe es dank vorausschauender Planung hier im Neubau tatsächlich recht angenehm. Dafür bin ich unheimlich dankbar und denke an all die Menschen, denen es nicht so gut geht. Und an den Sommer 2003, der mir als „erster“ Hitzesommer in Erinnerung geblieben ist. Ich hatte damals gerade einen neuen Job in einer Kita für Kinder ab 3 Monaten angefangen und irgendwie verbrachten wir den Sommer nur im Schatten am Planschbecken, in dem die Kinder saßen, nur mit einer Schwimmwindel bekleidet. Gut, zum Essen und Schlafen sind wir ins Haus gegangen. Aber was war das anstrengend für alle!

Letzte Woche waren wir in Aschaffenburg und erlebten einen ganz tollen Abend im Hof-Kabarett mit Wolfgang Buck, einem fränkischen Liedermacher, den ich schon sehr lange kenne und sehr schätze, und Hajo Greifenstein vom Babenhäuser Pfarrerkabarett.

Und was schon länger in mir brodelte, fand am Wochenende ein Ventil in einem Protestsong, den ich mit der Ukulele aufnahm und der schon sehr viel Zuspruch bekommen hat. Danke allen, die sich das Lied angehört haben! An den Noten arbeite ich noch – hätte nicht gedacht, dass Menschen sie haben wollen, deshalb hatte ich das Lied vor der Veröffentlichung nur so grob aufgeschrieben.

Am Sonntag dann mal wieder eine Orgelvertretung. Schöne Kirche, toll klingendes Instrument, wenn auch mechanisch nicht ganz leicht zu spielen. Und es gab zweimal Applaus. Und hinterher erstaunlich viele Leute, die sich persönlich bedankt haben. Unbedingt wiederkommen soll ich. Vielleicht klappt es ja irgendwann. Das mit dem Wiederkommen höre ich bei ganz vielen Vertretungen und es freut mich. An mehreren Orten gleichzeitig sein kann ich allerdings immer noch nicht.

Den Montagvormittag habe ich dazu genutzt, eine schöne Sammlung leichter Klavierstücke von Emilie Mayer aufzunehmen. Ich glaube, ich werde daraus eine kleine Reihe machen. Es gibt nämlich unheimlich viele tolle Stücke von Komponistinnen, die für den Anfangsunterricht wunderbar sind, oder auch für leicht Fortgeschrittene, und viele Menschen kennen diese Kleinode gar nicht.

Eine meiner Kurzgeschichten (Achtung, nix für schwache Nerven) wurde von Klaus aufgenommen und kann hier angehört werden.

Der kleine alte Hund war beim Haareschneiden und hatte diesmal so gar keine Lust darauf. Dabei geht es ihm nicht nur im Sommer mit dem Kurzhaarschnitt viel besser. Aber mit fast 16 Jahren darf so ein Hund auch mal keine Lust haben.

Die Chöre gehen nun nach und nach in die Sommerpause, aber hier im Blog geht es ganz normal weiter. Spätestens mit den nächsten Wochenschnipseln. 🙂

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Ein Protestlied

Es will schon etwas heißen, wenn ich mich an einem Samstagvormittag hinsetze und ein Protestlied schreibe und aufnehme und Untertitel mache und es bei PeerTube hochlade. Es musste einfach aus mir raus.

Vor dem Text noch ein Disclaimer: alle, die mögen, dürfen das Lied singen. Aber wer es zum Training einer KI verwendet, den möge das Schicksal ereilen, an einem heißen Tag ohne Papier und mit leerem Akku im Smartphone aufm Klo eingesperrt zu sein (zu deutsch: ich widerspreche der Nutzung meiner Texte und Musik für jegliche KI-Trainingszwecke).

For a summary and information in English click here.

Jeden Morgen könnte ich mich ärgern.
Mittags und am Abend auch!
Wenn ich sehe, was da draußen los ist,
dann grummelt es ganz laut in meinem Bauch.

Ich bin es leid, wenn ich lese oder höre,
Regenbogenfahnen soll’n nicht weh’n.
Dass lieber man die Umwelt mehr zerstöre,
als sich ein Windrad anzuseh’n.

Da möchte ich als Antwort einfach singen:
bleibt weg mit eurem herzlosen Blabla!
Erst recht sollen meine Lieder klingen.
Die Welt ist für uns alle da.

Lieben, freuen, solidarisch sein,
Aufsteh’n, schreien, ihr kriegt mich nicht klein!
Lieben, freuen, solidarisch sein,
Aufsteh’n, schreien, ihr kriegt uns nicht klein!

Warum soll’n wir Flüchtlinge nicht retten?
Nur weil sie nicht saßen in ’ner Jacht?
Und ganz arg sind Erbsenbrei-Buletten!
Hat Onkel Grummel gestern erst gesagt.

Queere Menschen als Bedrohung?
Gerechtigkeit nur, wenn du weiß und reich?
Was soll denn diese törichte Verrohung?
Menschenrechte sind für alle gleich!

Da werde ich als Antwort einfach singen:
bleibt weg mit eurem herzlosen Blabla!
Erst recht sollen meine Lieder klingen.
Die Welt ist für uns alle da.

Lieben, freuen, solidarisch sein,
Aufsteh’n, schreien, ihr kriegt mich nicht klein!
Lieben, freuen, solidarisch sein,
Aufsteh’n, schreien, ihr kriegt mich nicht klein!

Ihr kriegt uns nicht klein.

Oh nein!

This is a song about how I could be annoyed and grumpy every day because of the things that are going on in the world – rainbow flags aren’t allowed, protection of the environment doesn’t seem important any more, refugees aren’t saved at sea, and vegan food is the worst anyway, says Uncle Grumple.

And I want to sing against this, to talk about human rights, to protect queerness, to be loud and stand up against all kinds of injustice and not be silenced.

Written and recorded on the 28th of June 2025. You are allowed to sing the song if you like. But if you use any parts of it, be it words or music, to train AI, you shall forever be stuck on the loo with no paper and an empty smartphone battery on a hot day (translation: my work must not be used to train AI. Not ever.)

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Filed under Meinung, Musik

Wochenschnipsel 2446

In meinen heutigen Wochenschnipseln möchte ich auf das Thema „Online-Präsenz“ eingehen.

Gerade scheinen wieder viele Menschen festzustellen, dass der Vogelkäfig (früher Twitter, heute X) vielleicht doch keine Plattform mehr ist, auf der sie sein wollen. Und es beginnen Suchbewegungen. Diese führen manche Menschen ins Fediverse (ein Netzwerk aus unabhängigen Servern, die alle über ein gemeinsames Protokoll miteinander verbunden sind und verschiedene Dienste vereinen) und manche zu anderen proprietären, kommerziellen Plattformen.

Für mich ist das nichts. Ja, ich war jahrelang im Vogelkäfig und dort sehr aktiv und hatte eine vierstellige Followerzahl und habe zweineinhalb Jahre lang täglich ein kurzes Orgelvideo dort gepostet und natürlich waren die Reaktionen darauf gut fürs Ego.

Trotzdem habe ich vor mehr als einem Jahr meine Accounts dort deaktiviert, nachdem ich mich bereits einige Monate zuvor mehr oder weniger komplett zurückgezogen hatte; ich fühle mich im Fediverse sehr wohl und sehe für mich keinen Grund, noch mehr Plattformen zu bespielen.

„Wenn du dir das leisten kannst…“ höre ich mitunter. Mal mit bewunderndem Unterton, mal eher abfällig – meine Antwort darauf ist: ja, ich leiste mir das. Ich leiste mir das schon seit Jahren, weder bei FB noch bei IG zu sein und den allseits beliebten Messenger WhatsApp habe ich auch nicht.

Ob ich dadurch etwas verpasse? Möglich ist es natürlich, aber für mich ist es eine bewusste Entscheidung, zu der ich stehe.

Wie schnell es gehen kann, dass „fremd gehostete“ Inhalte verschwinden, in die man Zeit, Energie und Herzblut gesteckt hat, habe ich Anfang 2023 bei Xing erlebt, als die Diskussionsgruppen dort geschlossen wurden und offline gingen. Zusammen mit einer Kollegin hatte ich über viele Jahre eine sehr erfolgreiche Gruppe mit fast 70.000 Mitgliedern moderiert und wir waren immer eine der aktivsten Gruppen der Plattform. Zack, weg. Und man kopiert halt auch nicht mal eben Inhalte von mehreren Jahren.

Im Fediverse kann ich selbst entscheiden, wie lange meine Beiträge archiviert werden; ebenso hier im Blog. Mir ist es inzwischen wichtiger als früher, dass ich die Hoheit über meinen Kram habe und beeinflussen kann, was damit passiert, und das bietet mir eine kommerzielle Plattform einfach nicht. Übrigens auch ein Grund, warum ich zwar bei LinkedIn bin, dort aber vergleichsweise wenig schreibe.

Bevor ich anfing, diesen Beitrag zu schreiben, habe ich mal in älteren Beiträgen gestöbert und festgestellt, dass ich vor ungefähr einem Jahr auch schon das Fediverse und kommerzielle Plattformen thematisiert hatte. Damals schrieb ich:

In meinen Fediverse-Feed bekomme ich immer noch viele Posts gespült, die sich mit den Unterschieden zwischen dem Fediverse (meist geht es dabei um Mastodon) und der neuen Plattform BlueSky beschäftigen; Menschen fragen regelmäßig nach Einladungs-Codes; andere erzählen davon, „dort“ sei es besser, und so viele seien „mit Mastodon ja nicht warm geworden“. Ja, stimmt, das Fediverse kann schon spröde sein und es ist ganz sicher auch nicht das Paradies. Ich mag, dass ich dort viele Möglichkeiten habe, mir meinen Feed so zu gestalten, wie es mir gefällt. Es ist Arbeit, keine Frage. Denn kein Algorithmus schlägt mir Sachen vor, die mich interessieren könnten, sondern ich muss mir das irgendwie zusammensuchen. Ich mag das. Wer sich berieseln lassen möchte, braucht andere Plattformen. Welche das sein könnten, muss jede*r für sich selbst entscheiden.

Das könnte ich heute auch wieder so schreiben.

Im Sommer, als unsere kleine eigene Instanz ihren ersten „Geburtstag“ feierte, schrieb ich:

Vor gut einem Jahr bin ich im Fediverse für meine Alltäglichkeiten auf eine eigene Instanz umgezogen, zusammen mit einem Freund, und fühle mich dort immer noch sehr wohl. Ich habe, wie manche wissen, auch noch weitere kleine Spielwiesen im Fediverse, aber die eigene Instanz benutze ich doch am häufigsten. Und wie es der Zufall so will, kam es in einem Gespräch mal wieder auf das Thema Reichweite und ob man in dieser vielfältigen und chaotisch wirkenden Welt der vielen kleinen und großen Server überhaupt so etwas wie „Reichweite“ haben könne und dass manche (um nicht zu sagen einiger, oder gar viele) inzwischen weitergezogen seien zu anderen (kommerziellen) Plattformen. Ich kann für mich nur sagen, dass Zahlen nur ein Aspekt sind, und in meinem Falle nicht besonders relevant. Wenn ich bei einem großen Business-Netzwerk Werbung für meine Online-Workshops zur Stimmbildung mache, erhalte ich dort zwar stets eine dreistellige Anzahl an Klicks (oder Views, was auch immer da gezählt wird), aber Buchungen? Fehlanzeige. Im Fediverse hingegen bekomme ich nicht nur Aufmerksamkeit (wenn ich dazu auch keine Zahlen habe), sondern es melden sich Leute auch für die Workshops an. Und die meisten kommen auch wieder 🙂

Kurzum, ich habe keinen Grund, zusätzlich auf weiteren Plattformen präsent zu sein.

Und auch daran hat sich nicht wirklich etwas geändert.

Ich möchte den heutigen Beitrag nicht als Kritik an Menschen verstehen, die sich für eine kommerzielle Plattform entscheiden. Wir müssen alle unsere eigenen Entscheidungen treffen und wir haben alle unsere Gründe, etwas zu tun oder auch nicht. Trotzdem möchte ich zumindest dazu einladen, einmal über nicht-kommerzielle Alternativen nachzudenken und auch einmal kritisch zu hinterfragen, wie das mit der „Reichweite“ auf den kommerziellen Plattformen denn tatsächlich ist. Denn dass die Algorithmen alle „gleich“ behandeln und ich somit wirklich das zu sehen bekomme, das meine Bubble mit mir teilen möchte, daran habe ich (auch aus der Erfahrung auf der Vogelseite) doch so meine Zweifel.

Einen kleinen Werbeblock schließe ich noch an: am Freitag, 15. November, findet um 15 Uhr zum letzten Mal in diesem Jahr meine Online-Session „15 Minuten für die Stimme“ statt – bei Interesse bitte melden! Nächstes Jahr werde ich auch wieder Online-Stimmbildung anbieten, aber in anderen Formaten, an denen ich derzeit arbeite.

Außerdem entwickle ich neue Konzertprogramme, sowohl mit, als auch ohne Orgel, und bereite mich mit verschiedenen Chören auf Adventskonzerte vor.

Danke fürs Lesen, und bis bald, hier oder im Fediverse 🙂

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The idea of being good enough

A few days ago, I read a short post in the fediverse, saying something like: „Don’t compare yourself to others. If you’re better today than you were yesterday, that’s all that counts.“

It was meant to be encouraging and positive, and yes, not comparing yourself to other people and their achievements can certainly help if you want to feel good or at least good enough about yourself.

However, this post bothered me and at first, I couldn’t quite put my finger on it but now I have an idea what I found uncomfortable and I wanted to share my thoughts with you since I have a feeling that some of my readers and friends certainly can relate.

When I was studying for my postgraduate diploma in music therapy, we were looking at the concept of „good enough parent“ and how this could and should be transferred to therapy and how we shouldn’t be too strict with ourselves when a therapy session wasn’t perfect – our goal shouldn’t be to be „perfect therapists“ but „good enough therapists“. The idea of this concept is that no human being is perfect and that every relationship can take a few cuts and bruises if, overall, the experience is „good enough“. I found this very reassuring but also must admit that my inner perfectionist is still very strong and can be quite loud and critical.

When you have such a prominent inner perfectionist and you’re trying to become more gentle with yourself and working on being „good enough“, advice like the above-mentioned post can more or less catch you on the hop (or on the wrong foot). Sometimes it’s hard work to just be and not rate or rank your personal growth. It’s not even necessary to make daily assessments of yourself (unless you want to, of course). People are different and while some might find this helpful, others might not, and both is alright and totally fine.

There is nothing wrong with you if you just spend a day or two or a week or two or a month… just „being“. Too much pressure, too much striving for perfection, too much self-optimisation can, in my experience, be as harmful as the above-mentioned comparison with others.

There’s time to grow and there’s time to just sit back and relax. Especially when you have a lot on your plate already. We’re living in challenging times and it’s okay to feel overwhelmed every now and then.

There are people who might tell you to learn to dance in the storm, but as someone who has been blown away by a difficult situation and has needed months to come back to my old self, I’d like to say that hiding under your favourite blanket while the storm lasts is also an option.

We all have different ideas of what we need and what makes us feel good and whole. If you’re one of those people who benefit from knowing that they’re better today than the day before, that’s great. Above-mentioned fediverse post is for you! If you’re one of those people who are overwhelmed by the thought of having to do or be something, then the fediverse post probably isn’t for you. But maybe something I said in this blog might be helpful.

Disclaimer: I’m speaking from my own experience and don’t possess comprehensive wisdom. I mentioned my education in music therapy, but I’m not writing this post in a professional capacity. You might have different experiences and opinions and that’s what makes our lives so interesting.

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Filed under Meinung, Sammelsurium

„Dieser ganze Umweltkram nervt!“

„Die gehen mir auf die Nerven mit ihrem ganzen Umweltkram!“, so der Stoßseufzer einer 70jährigen in meinem Bekanntenkreis. „Als ob wir Deutschen die Welt retten könnten.“

„Die Leute müssen viel Auto fahren, denn der Verschleiß ist nötig, sonst geht die Industrie hier zugrunde.“, sagt mir ein älterer Herr in einer Diskussion übers Autofahren.

„Dieses rotzfreche Gör soll zurück nach Schweden gehen und ihren eigenen Leuten auf die Nerven fallen!“, hörte ich neulich im Supermarkt.

Ich bin Mitte der 1970er geboren. Mitte der 1980er begann ich, mich für Umweltthemen zu interessieren. Das lag unter anderem am Beruf meines Vaters, und dass wir einen großen Teil unserer Freizeit in der Natur verbrachten. Und es lag an Wackersdorf (erinnert sich noch jemand an die Diskussionen um die Wiederaufbereitungsanlage?) und an Tschernobyl – damals wohnten wir in der Oberpfalz und wurden sogar vom Radio interviewt, wie wir Kinder und Jugendlichen uns so fühlen würden und so.

Ich bin keine Aktivistin oder würde mich selbst nicht als solche bezeichen. Aber was mich nachdenklich macht (ich könnte auch sagen, es geht mir auf die Nerven, aber das beschreibt das Gefühl nur unzureichend), ist, dass viele Jugendliche, die sich heute mit Umweltthemen beschäftigen und darüber diskutieren und nachdenken, ähnliche Themen haben wie wir damals, vor 30 Jahren.

Hat sich denn nichts geändert?

„Wir haben so viele Filter in den Autos und alles ist so sauber!“, so der ältere Herr, den ich oben schon erwähnt hatte.

Ja, das mag sein. Aber es gibt halt auch viel mehr Autos als früher, und je größer das Auto, desto mehr Kraftstoff verbraucht es. Und hier in der Gegend liebt man große Autos. Und fährt damit auch vom einen Ende des Dorfes ans andere…

Als ich sagte, es wäre schon viel gewonnen, wenn die Menschen vor jeder Autofahrt überlegen würden, ob sie wirklich nötig ist, und ob man nicht auch mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen könnte, kam die Antwort mit der Industrie und dem nötigen Verschleiß.

Und dann denke ich, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Und frage mich gleichzeitig, wie viel Zeit uns für diesen Weg bleibt.

Ich bin übrigens kein Engel. Manchmal bin ich schlicht und einfach bequem und fahre die eine oder andere kurze Strecke mit dem Auto, obwohl das Fahrrad eine Möglichkeit gewesen wäre. Für mich selbst finde ich natürlich auch tolle Ausreden, dass es zu nass oder zu kalt zum Radfahren war, oder ähnliches. Allerdings sind diese Fahrten die Ausnahme und nicht die Regel. Ich versuche einfach, in meiner kleinen Welt so viel wie möglich zu tun. Und dazu gehört auch, dass ich meine Gewohnheiten immer mal hinterfrage und mich auch von Diskussionen „nerven“ zu lassen, weil es einfach wichtig ist, dass uns nicht egal ist, wie sich unsere Welt und die Gesellschaft entwickelt.

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Filed under Landleben, Meinung

„Man darf ja nix mehr sagen…“

Es kommt selten vor, dass ich auf diesem Blog etwas zum politischen Tagesgeschehen schreibe. Auch meinen Twitteraccount nutze ich kaum für entsprechende Statements. Es ist nicht so, dass ich nichts zu sagen hätte, aber das tue ich lieber im direkten Gespräch. Und ich scheue dabei auch keine Konfrontation und bin sehr froh, dass ich in meinem Freundeskreis Menschen habe, deren politische Richtung zwar teilweise anders ist als meine, die einen offenen Gedankenaustausch aber ebenso schätzen wie ich. Ich habe da schon viel gelernt (danke an dieser Stelle vor allem an Peter und Jens).

Was mich im Zusammenhang mit den Wahlen am vergangenen Sonntag sehr bewegt hat, war nicht unbedingt das Abschneiden einer gewissen Partei, deren Umtriebe ich sehr kritisch betrachte. Irgendjemand spülte eine Grafik aus der Tagesschau in meine Twittertimeline, aus der hervorging, dass mehr als zwei Drittel der befragten Wähler in einem Bundesland der Meinung waren, man dürfe ja „nichts mehr sagen“ und sei insgesamt in seiner Meinungsfreiheit beschnitten.

Wie kommt es zu dieser Wahrnehmung? Welche Erwartungshaltung haben diese Menschen? Bedeutet Meinungsfreiheit für sie, dass man keinen Widerspruch zu seinen Aussagen bekommt? Dass alle die eigene Meinung teilen? Dass auf lautes Schreien und Parolen rufen immer tosender Applaus kommt?

Mir fehlt dafür eine Erklärung. Ja, ich weiß, dass ich in einer priviligierten Situation bin. Ich schreibe hier auf einem funktionierenden Rechner, zuhause am Schreibtisch sitzend. Ich muss keine Angst haben, dass jeden Moment irgendwo eine Rakete einschlägt oder eine Bombe explodiert. Es gibt zuverlässig Strom und fließendes Wasser und ich besitze nicht nur ein Sparschwein, sondern es ist sogar etwas drin.

Ich möchte Menschen gerne verstehen. Aber manchmal fällt mir das wirklich schwer.

Wir brauchen in unserer Gesellschaft den Widerspruch. Wir brauchen Menschen, die etwas sagen und nicht wegschauen, wenn jemand seine Vorurteile pflegt. Ich freue mich, dass so mancher tiefsitzender Alltagsrassismus und Alltagssexismus nicht mehr hingenommen wird, sondern angesprochen wird und durchaus auch deutlich verurteilt. Das ist für diejenigen, die „eigentlich ja nix gegen Ausländer haben“ oder „die Gleichberechtigung total toll finden und niemals Frauen benachteiligen würden“ und es in ihrem Verhalten und Sprachgebrauch dennoch tun, sicher unangenehm.

Unsinn reden ist nach wie vor nicht verboten.

Und ich werde, so lange mir das möglich ist, dem Unsinn die Stirn bieten. Vielleicht künftig ja auch öfter mal online und nicht nur in meinem Alltag. Aber da natürlich auch – wenn es nötig ist, mal unbequem zu sein, um für die Würde anderer einzustehen, dann bin ich gerne unbequem.

„Man darf ja nix mehr sagen“, sagen manche und sehen nicht, dass sie allein dadurch, dass sie das sagen können, eine bemerkenswerte Freiheit genießen. Dass ihnen das irgendwann klar wird, das wünsche ich mir. Und dass diese Freiheit nicht missbraucht wird, wünsche ich mir noch mehr.

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Filed under Meinung

Über den eigenen Schatten springen…

… das kann so schwer und doch so leicht sein.

Heute habe ich es mal wieder gewagt und befinde mich noch im Wechselbad der Gefühle. Die zu Pflichtbewusstsein erzogene brave Beamtentochter flüstert: „Das kannst du doch nicht machen, das geht doch nicht“, während die selbstbewusste, kreative erwachsene Frau laut sagt: „So nicht. Und nicht mit mir.“

Ich hatte vor anderthalb Jahren an einer Fachschule eine kleine Dozentur übernommen. Ganz ohne großes Vertragsgedöns, viel mit mündlicher Absprache und der ein oder anderen E-Mail. Es hat Spaß gemacht, der Stundensatz war in Ordnung und eigentlich hat auch immer alles geklappt.

Eigentlich.

Im Frühsommer gab es eine neue Schulleitung und das Chaos zog ein. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass das Chaos schon vorher da war, aber mit der neuen Leitung wurde es noch größer. Jedenfalls wurde ich gefragt, ob ich zur bestehenden Dozentur eine weitere übernehmen würde. Das Thema war interessant, aber ich hatte Fragen. Diese stellte ich in einer E-Mail und bekam lange Zeit keine Antwort. Später meldete sich dann das Sekretariat und fragte, wann denn nun die Vorlesungstermine für die neue Dozentur seien. Ich sagte, ich hätte doch noch gar nicht zugesagt.

Irgendwann sagte ich dann aber zu und bekam per E-Mail die Information, man würde mit X Stunden für Thema A und X Stunden für Thema B im Wintersemester planen.

Für Thema B hätte ich völlig freie Hand, es müsse halt nur eine Klausur oder ein Referat geben, das benoten werden könne.

So weit, so gut. Ich begann also mit den Vorbereitungen und schickte vor gut vier Wochen meine Terminvorschläge für Thema B.

Keine Antwort.

Gestern nun kam die Antwort, ja, die Vorschläge seien gut. Also schrieb ich, okay, und hier nun meine Vorschläge für Thema A. Daraufhin eine Nachricht, oh, es täte ihnen ja leid, aber sie hätten das Konzept für Thema A geändert und die Dozentur anders verplant.

Da ich immer noch auf den Geldeingang fürs Sommersemester warte, war diese Nachricht der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich war stinksauer. (Oben bereits genannte Beamtentochter hatte natürlich nichts besseres zu tun als zu nörgeln, dass ich ja ohne Vertrag selbst schuld sei).

Und dann tat ich etwas, was ich selten tue. Ich sagte die Termine für Thema B wieder ab.

Noch gab es keine Reaktion der Schule, vermutlich sind sie mir jetzt gram, aber ich will mich nicht ausnutzen lassen. Ich will nicht in einem Nebensatz erfahren, dass eine Veranstaltungsreihe komplett wegfällt. Ich will nicht wochenlang auf mein Geld warten müssen und gleichzeitig Zeit investieren in ein neues Vorlesungsformat, das dann am Ende womöglich auch wieder kurzfristig an jemand anderen gegeben wird.

Ich kann meine Zeit auch mit anderen Dingen füllen. Derzeit arbeite ich an einem neuen adventlichen Orgelstück, und es warten auch noch einige Kinderlieder darauf, ordentlich gesetzt zu werden. Dazu gibt es weitere Themen, die mir persönlich mehr bringen werden.

Ein kleiner Teil von mir hat trotzdem ein schlechtes Gewissen. Ganz schön blöd. Aber ich wollte ja auch nur über meinen Schatten springen und nicht gleich komplett aus der Haut fahren. 😉

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Filed under Meinung, Sammelsurium

Bewegung

Seit meiner (erzwungenen) Auszeit vor gut dreieinhalb Jahren denke ich mal mehr, mal weniger an Veränderungen herum. Was und wie will ich eigentlich arbeiten? Ist das, was ich tue, passend für mich? Bin ich auf dem richtigen Weg, „lohnt“ sich der ganze Stress?
Ich habe immer noch keine Antworten, aber ich nähere mich einer Entscheidung und freue mich sehr darüber, dass sich in den letzten Tagen viel bewegt hat.

Ich habe jede Menge Ideen im Kopf und auch wenn manches noch ein bisserl im Nebel liegt, wird doch einiges allmählich klarer. Das trägt mich durch die sehr stressige Zeit, die ich im Moment in meinem Hauptjob habe und die mir so überhaupt nicht gefällt. Aber ich bin niemand, die Hals über Kopf alles hinwirft, wobei mir etwas mehr Gelassenheit und Mut sicher gut tun würde.

Jedenfalls werde ich hoffentlich in den nächsten Monaten berichten können, was gerade so passiert, und werde bis dahin weiterhin versuchen, die einzelnen Fäden zu entwirren und sinnvoll zusammenzufügen.

Letzten Sonntag hatte ich ein kleines Konzert, was sich im Nachhinein zumindest für mich als etwas größer entpuppte. Ich singe ja seit fast vier Jahren in einem „klassischen“ dörflichen Gesangverein. Dort gibt es mehrere Chöre, und der gemischte Chor ist von der Zusammensetzung der Sänger her der älteste. Ich schätze das Durchschnittsalter dort locker auf 70, wenn nicht gar 73 Jahre. Dieser Chor tritt nur noch selten auf, aber damit niemand gänzlich „einrostet“, gibt es ab und zu doch mal ein Konzert. Obwohl der Chor zu 90% aus Katholiken besteht, hatten sie sich bereit erklärt, in der evangelischen Kirche ein kleines Konzert mit Lutherliedern zu geben. So weit, so gut.
Ich hatte die Noten einer sehr selten gespielten, aber wunderschönen spätromantischen Motette über einen Luthertext für Sopransolo, Chor und Orgel zuhause und unser Chorleiter meinte, das könnte der Chor schaffen. Ich sollte die Orgelstimme spielen und eine Sopranistin aus einem befreundeten Chor würde das Solo probieren.
Es stellte sich dann heraus, dass der Chor wohl insgesamt nicht genügend Lieder für ein komplettes Konzert zusammen bekäme und so wurde ich gefragt, ob ich denn sonst noch etwas beitragen könne.
Und wie das dann so ist, hatte ich im Konzert alle Hände voll zu tun. Ich spielte neben der Motette noch vier Orgelstücke solo, sang drei Lieder allein und begleitete den Chor bei drei weiteren Chorälen. Da ich am Morgen auch noch zwei reguläre Gottesdienste in zwei unterschiedlichen Kirchen georgelt hatte, war ich am Abend doch ziemlich müde und hätte im Anschluss direkt ein weiteres Wochenende gebraucht 🙂
Aber es war sehr schön und für meine weitere Konzertplanung auch durchaus lehrreich.

Ab sofort kann man übrigens mit „meinem“ Chor (etwas jünger 😉 ) fürs Weihnachtsoratorium (Teile I, IV, V, VI) mitproben, immer dienstags ab 20:45h, Nähe Butzbach/Gambacher Kreuz. Bei Interesse einfach bei mir melden!

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